Dass wir bei cruiselevel gerne mal Sachen ausprobieren kennt ihr ja schon. Mit Beiträgen wie diesem möchten wir Einblicke in unsere Flugerlebnisse geben und vielleicht sogar Inspiration stiften für euren nächsten virtuellen Trip. Heute nehmen wir euch mit auf unserem Israir-Flug von Tel Aviv nach Helsinki.

Da steht er, unser Airbus A320-232 mit der Registrierung 4X-ABF. Dieser wurde 2010 an Israir ausgeliefert und verrichtet seit dem zuverlässig seinen Dienst. Angetrieben wird er von zwei IAE V2527-A5 Triebwerken. Ein durch und durch europäisches Produkt. So wird der A320 in Hamburg endmontiert, nachdem aus ganz Europa die verschiedenen Bauteile in der hanseatische Metropole eingetroffen sind. Das gleiche gilt für das Triebwerk V25, wie man in Kennerkreisen sagt. Dieses wird im brandenburgischen Dahlewitz zusammengebaut. Doch genug der Flugzeugkunde, wir wollen ja schließlich fliegen.

Da die Flugpläne ja weltweit noch sehr ausgedünnt sind, haben wir uns für einen fiktiven Charterflug von Tel Aviv (LLBG/ TLV) nach Helsinki (EFHK/ HEL) entschieden. Für beide Airports gibt es herausragende Szenerien, welche ich schon “länger” nicht mehr angeflogen bin. Also geht es am Vormittag als ISR0446 vom Ben Gurion Airport in den kalten Norden.

Simbrief schlägt vor 13.3 Tonnen Kraftstoff mitzunehmen. Darin enthalten sind neben 1.5 Tonnen Reserve auch 200 kg fürs Rollen, sowie fast 1.2 Tonnen für das Erreichen unseres Alternates, hier der Turku Airport im Südwesten Finnlands. Die Wettervorhersage ist gut, die Winde unterwegs sehen auch okay aus, daher entscheiden wir uns gegen Extra-Fuel. Unsere initiale Flughöhe ist FL360, mit einem Stepclimb auf FL380 beim Wegpunkt KOKUM.

Als Route gibt uns Simbrief folgendes aus, was ganz passabel aussieht und lediglich 2,5% Aufschlag ausmacht.
LLBG/30 MERVA2F MERVA DCT VESAR UB545 MUT UA28 BAG DCT RASIL M435 MIMKO M850 KOMAP Z494 GATVA DCT GONOS Q77 IBUZU Q92 INTOR INTOR7B EFHK/04L

Laut dem Vorschlag sollen wir von Runway 30 starten, was beim herrschenden Wind auch nahe liegt. Allerdings gibt es in Tel Aviv ein Preferential Runway System, welches im Airport Briefing 10-1P niedergeschrieben ist und besagt, dass für Departures voranging die Runway 26 zu nutzen sei. Vorausgesetzt, dass die Tailwind-Komponente nicht mehr als 5 Knoten beträgt. In Tel Aviv herrschten am Abflugtag 3 Knoten Wind aus Richtung 030°. Durch den Runway-Wechsel änderte sich auch die SID in die MERVA 2E (MERV2E) Departure.

Nachdem unser Airbus mit 13.5 tonnen beladen wurde machten wir uns mit einem Gewicht von 70.5 tonnen auf den Weg zur Runway. Durch das verbrennen des Taxi Fuels werden wir beim erreichen der Runway ein TOW von 70.3 tonnen haben. 

Es ist wenig los in Tel Aviv, daher bekommen wir schon beim Rollen die Startfreigabe. Da wir zum MAX TOW noch 6 tonnen Luft haben und die Runway über 4000 Meter lang ist, geht es mit einem FLX Takeoff raus aus Tel Aviv.

Wir lassen den Strand und Tel Aviv Downtown hinter uns und drehen beim Wegpunkt KESEF 90° nach rechts Richtung Wegpunkt YUVAL, JILET und als letzter SID Punkt MERVA. Die SID gibt an einige Wegpunkten Höhenrestriktionen vor, diese müssen wir natürlich beachten. Doch der Airbus ist ein schlauer Flieger und achtet im Rahmen des Profils auf die Constraints. Wegpunkt MERVA sollen wir in mindestens 12.000 FT Höhe überfliegen, was kein Problem darstellte

Unser Weg führt uns ja über die Türkei, Ukraine, Belarus, Lettland und schließlich nach Finnland. Umso nördlicher wir kommen, desto winterlicher, kälter und dunkler wird die Stimmung.

Der Sinkflug war dann eher unspektakulär. In Helsinki waren die Runway 04L und 04R in Betrieb, wobei der landende Traffic die 04L zugewiesen bekam. Via der INTOR 7B (INTO7B) Arrival ging es bis zum Wegpunkt LOHIG, bei dem wir mindestens 2300 Fuß hoch und 220 kt schnell sein durften. Danach folgten dann Vektoren auf den Anflugkurs der Runway 04L. Inzwischen herrschte schönstes nordisches Winterwetter inklusive der richtigen Lichtstimmung. Die Temperatur lag bei -12 Grad Celsius, daher ENG Anti Ice “on”.

Wegpunkt PODOM stellt den Initial Approach Fix für eine Landung auf der Runway 04L dar, wobei der Sinkflug erst beim Wegpunkt EMPEV in 6.8 Meilen Entfernung zum Flugplatz eingeleitet wird. Wir reduzieren die Geschwindigkeit, fahren die Klappen entsprechend der Speeds und sind bereits frühzeitig für die Landung konfiguriert. Zeit für die Landing-Checklist. Bei 1000 ft geht der Autopilot raus, wir landen von Hand.

Wir setzen mit -200 Ft die Minute auf der Bahn auf, sanft ist das nicht. Für unseren Airbus aber kein Problem. Der Speed ist schnell abgebaut und wir verlassen die Runway via Whisky Kilo und Rollen über Whisky, Golf, 04R, Zulu, Yanke zum Apron 1E. 

Vorbei am Platzhirsch kommen wir unserem Gate immer näher. Hoffentlich wartet die Bodencrew schon… sieht gut aus!

Der Ground-Lotse hat uns Gate 13 genannt, welches wir natürlich auch ansteuern. Hier gibt es keine lateral beweglichen Jetways, daher ist genaues Parken Pflicht. Kaum sind die Triebwerke aus, verlassen die Fluggäste den Flieger und die Bodencrew verlädt das Gepäck. Nock kurz die Parking Checklist und dann kommt ein schöner Flug zu seinem Ende. Insgesamt haben wir 10504 Tonnen Kraftstoff verbrannt, 1746 Nm zurückgelegt und haben dafür 04:47 Std. benötigt. 

Ich hoffe der kleine Bericht gefällt euch.  Wenn ihr dieses Format gerne wiedersehen bzw. öfter sehen möchtet, dann lasst es uns in den Kommentaren wissen. Gerne nennt uns auch Verbesserungsvorschläge, wenn euch etwas fehlt, ungenau oder falsch ist. Gerne könnt ihr auch selbst Routenvorschläge machen.

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Hector
Hector
10 Monate zuvor

Sehr cooles Konzept, gerne mehr davon!

Bastian
Bastian
10 Monate zuvor

Sehr schön gemacht, gefällt mir!

simmershome
10 Monate zuvor

Super, richtige Flugzeuge , gescheite Routen …..und ihr kommt sogar klaglos an, was heute nicht mehr selbstverständlich ist😉

Roli
Roli
10 Monate zuvor

Idee, Ausführung, Details, Umfang etc. Tiptop. Sehr gerne mehr davon.
Aus eigener Erfahrung weiss ich, wieviel Arbeit hinter so einem Flugbericht steckt. Somit herzlichen Dank für den Beitrag.

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