Es wäre ja fast schon lustig, wenn die damit verbundenen, wirtschaftlichen Ausmaße nicht so drastisch wären: Derzeit hat sich ein Containerschiff im Suezkanal quergestellt und blockiert damit eine wichtige Handelsader, die Europa mit diversen Gütern aus Asien versorgt. Auch wenn diese ungewollte Blockade für uns Konsumenten vielleicht noch nicht ganz spürbar ist, könnte die Wartezeit für Bestellungen aller Art bald länger werden. Und das in einer Zeit, wo die virtuellen Regale für spezielle Wünsche sowieso gefühlt schon leergefegt sind.

Gerade bei Flusi-Hardware sind Simmer auf Geduld getrimmt. Mit dem neuen Microsoft Flight Simulator wurde die Zielgruppe so massiv erweitert, dass die vorrätige Hardware die Nachfrage nicht mehr bedienen konnte. Thrustmaster musste es beim Release des Airbus Sticks spüren, Saiteks/Logitechs Yoke ist schon lang „Out of Stock“ und auch Honeycomb kommt nicht hinterher.

So zügig die Yokes des Hardware-Anbieters aus San Diego auch auf dem Markt waren, so schnell waren sie wieder ausverkauft. Inhaber Nick Repenning meldete sich daher Mitte März auf Facebook zu Wort und erklärte die Ursache der Lieferverzögerung. Die Quintessenz: Lange Vorlaufzeiten bei Zulieferern und Halbleiter-Mangel scheinen die Flusi-Szene genauso heimzusuchen, wie andere Branchen auch. Während wenigstens der US-Markt mittlerweile wieder mit Honeycomb-Produkten versorgt werden konnte und diverse Webshops die Hardware vorrätig haben, sieht es in Europa nicht so gut aus.

Hier ist Aerosoft der Knotenpunkt für den Vertrieb von Honeycomb-Produkten. Die Paderborner importieren die Hardware direkt aus der Herstellung, um sie in Europa, Afrika und dem Nahen Osten an Endkunden und Webshops zu verteilen. Dabei scheint das Unternehmen ebenfalls auf Geduld angewiesen zu sein. Mehrere Faktoren verzögern derzeit die Auslieferung der Hardware.

„Ende des letzten Jahres 2020 herrschte eine massive Container-Knappheit und in Folge dessen stiegen die Transportkosten teilweise um das Vierfache“, erklärt Volker Brüggemann von Aerosoft auf Nachfrage von cruiselevel. Brüggemann verantwortet als Head of Sales den Import und Vertrieb der Honeycomb-Produkte. Und sieht sich derzeit mit viel Unmut in Foren konfrontiert. Denn viele Kunden, die am Anfang des Jahres bestellt haben, warten immer noch auf ihre Ware. „Es herrscht derzeit eine gigantische Nachfrage und die Kapazitäten wurden schon erweitert“, berichtet Brüggemann. 

Brüggemann muss die Ware für Aerosoft nicht nur unter Zeitdruck importieren, sondern sie dann auch verteilen. „Die Gleichberechtigung muss gewährt werden und wir wollen sowohl unsere eigenen Shop-Kunden als auch Partnershops, etc. gleichermaßen bedienen“, so Brüggemann. Und das gestalte sich angesichts der massiven Vorbestellungen nicht immer einfach. Bestellungen ins Vereinigte Königreich würden zum Beispiel durch die Auswirkungen des Brexits verzögert. „Die UK-Ware muss jetzt durch den Zoll. Zwar entstehen dort keine Zollgebühren, aber die Auslieferung verzögert sich schnell um ein bis zwei Wochen“, so Brüggemann.
 

Auch wenn Aerosoft für den deutschen Markt diese extra Hürde nicht nehmen muss, rechnet er mit weiteren Verzögerungen. “Die Teile in der Honeycomb-Produktion haben eine Vorlaufzeit von bis zu 6 Monaten”, erklärt Brüggemann. Damit würde eine Reaktion auf die hohe Nachfrage auch prozessbedingt verzögert werden. Und dann sei da noch der Transport. „Schiffe können auch mal Verspätung haben“, erklärt der Import-Experte. Wenn sie denn fahren. Ob die Honeycomb-Hardware jetzt auch vom Vorfall im Suezkanal betroffen sei, kann der Aerosoftler nicht abschätzen. Man wolle die Kundinnen und Kunden aber zeitnah informieren. Bis dahin findet man Honeycomb-Fans und Containerschiffe des Roten Meeres an gleicher Stelle: In der Warteschleife.

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Kai-Uwe Weiß
Kai-Uwe Weiß
6 Monate zuvor

Und die sind echt gut die Teile…!

Markus Schneider
Markus Schneider
6 Monate zuvor

Ich verstehe es nicht, dass sie es nicht per Luftfracht verschicken. Statt 1 Woche auf See, 8 Stunden im Flieger 🙂

Steven
Steven
6 Monate zuvor
Antwort auf  Markus Schneider

Weil kostet halt auch in dem Verhältnis mehr. Ist ja logisch.

Markus Schneider
Markus Schneider
6 Monate zuvor
Antwort auf  Steven

Kommt immer auf die Quantität an. Die werden kaum ein Container füllen in Hong Kong. Denn dort passen wenn ich die Schachtel so gesehen habe. 2000 bis 3000 Karton sicher rein.

Thomas-NUE
Thomas-NUE
6 Monate zuvor
Antwort auf  Markus Schneider

Ich denke dass das im Hinblick auf Volumen und Gewicht eher als sogenannte Belly Freight fliegen würde. Sprich beim Passagier-Flugzeug im Bauch, nicht mit der reinen Cargo-Maschine. Und nachdem gerade auch so gut wie nichts Passagiere auf Linie fliegt, gibt es da auch kaum Kapazitäten, dafür horrende Preise.

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Obwohl der Flughafen Paderborn bestimmt als Provinzflughafen geneckt werden könnte, sorgt er dennoch für extrem viele Flugbewegungen - zumindest virtuell. Denn am Lindberghring gleich neben dem Terminal sitzt die Firma Aerosoft, die ihre Kundschaft mit Add-ons, Software und Hardware versorgt. Letzte Woche hat das Unternehmen seinen 30. Geburtstag gefeiert - und wir waren als Gäste dabei.