Wie schön es wohl wäre, wenn es auf Netflix eine Miniserie über die Piloten der F-14 geben würde? Natürlich im Stil der prägenden 80er-Jahre, als die Tomcat nicht nur in der NAVY, sondern auch auf der Kinoleinwand eine goldene Ära erlebte. Wäre es vielleicht noch besser, wenn man selbst der Hauptdarsteller in so einer Serie wäre und den legendären „Jolly Roger“ auf der Finne tragen dürfte? Nun, dieser Traum könnte nun virtuell Realität werden, in der neuesten Kampagne von „Reflected Simulations“ mit dem Namen „Fear the Bones“. Wir konnten vorab exklusiv eine Mission anspielen.

Wie in einer interaktiven Netflix-Miniserie

In unserem Interview hatte uns „Reflected Simulations“ schon einiges zur neuen F-14 Kampagne verraten. Sie wird „Fear the Bones“ heißen und möchte eine ganz andere Zielgruppe als die „Zone 5“ Kampagne bedienen. Diese war für die Hardcore-Simulanten gedacht und hat einen typischen „TOP GUN“-Lehrgang aus den 80er-Jahren nachgestellt – so, wie er in der Realität verlaufen würde und nicht, wie es und der gleichnamige Kinofilm glaubhaft machen will. „Fear the Bones“ wird nun genau den umgekehrten Weg einschlagen und viel Wert auf eine actionreiche Story statt Realismus legen, der dennoch nicht zu kurz kommen soll.

„It will be more like a Netflix miniseries about F-14 pilots set in the 80s. I'm an 80s kid and I really love that vibe, I grew up watching all those corny action movies, I still love 80s music, and my favorite game was 'Fleet Defender'. You can't call it a hardcore sim, but it was so immersive, it made me think I was part of a Tomcat squadron. This is the feeling I wanted to bring back with Fear the Bones. It has a 'Hollywood' storyline with lots of surprises, twists and turns, and the player is the main character. The cover art also radiates '80s cheese'. I want players to know what they can expect, and if they can take it easy and just go with the story, they will have a lot of fun!“

Reflected Simulations

„Es wird eher eine Art Netflix-Miniserie über F-14 Piloten in den 80er-Jahren. Ich selbst bin ein Kind der 80er und mag diese Stimmung, bin mit all den kitschigen Action-Filmen aufgewachsen und liebe die Musik der 80er. Eines meiner Lieblingsspiele damals war „Fleet Defender“. Das ist keine Hardcore-Sim, aber es fesselt einem und man fühlt sich als Teil einer Tomcat-Staffel. Dieses Gefühl will ich mit „Fear the Bones“ zurückholen. Es hat eine „Hollywood“-Story mit vielen Überraschungen, Drehungen und Wendungen und der Spieler ist in der Hauptrolle. Mit dem Cover im 80er-Jahre-Kitsch-Stil soll der Spieler gleich wissen, worauf er sich einlässt. Man sollte einfach die Story auf sich wirken lassen und Spaß haben und es nicht allzu ernst nehmen.“

Wenn wir schon über „Hollywood“ und „Netflix-Miniserie“ reden, dann wäre es natürlich töricht die Missionen als solches zu bezeichnen. Der Designer legt uns daher nahe, sie als Kapitel oder Folgen zu betrachten. In der Summe wird die Kampagne 15 dieser Kapitel bereithalten. Voraussetzung ist der Besitz des Heatblur „F-14 Tomcat“ und des „Super Carrier“ Modules. Die Geschehnisse finden allesamt auf der Kaukasus-Karte statt, die bereits als Freeware im Digital Combat Simulator enthalten ist. Für „Reflected Simulations“ typisch wurde auch an das Drumherum gedacht: Grafiken und Briefings im 80er-Jahre-Retro Design, passende Bemalungen für die Tomcats und die feindlichen Maschinen; sowie ein eigener Synth-Wave Soundtrack von Outland Recordings, der für die musikalische Untermalung sorgen wird.

Fear the Bones

Der Plot spielt im Jahre 1989 und beginnt damit, dass die „USS Valley Forge“ nah an der sowjetischen Küste im Schwarzen Meer operiert und dort in Schwierigkeiten gerät. Offiziell heißt es, der Cruiser sei mit einem Fischerboot kollidiert, inoffiziell haben die Russen wohl auf ihre Art und Weise auf die empfundene Provokation geantwortet. Die USS Theodore Roosevelt (daher ist hier auch das „Super Carrier“ Modul passender als die Stennis) befindet sich gerade auf ihrer Jungfernfahrt im Mittelmeer. Mit an Bord sind die beiden Tomcat-Geschwader VF-84 (Jolly Rogers) und VF-41 (Black Aces). Wir schlüpfen in die Rolle von LCDR Martin „Jaws“ Brody, mit unseren RIO David Pittmann, der passenderweise auf den Namen „Jester“ hört. Im Laufe der Story werden wir noch mit drei weiteren Crews Bekanntschaft machen, bestehend aus „Caveman“ mit „Grip“, „Elvis“ mit „Glory“ sowie „Ghost“ mit „Pyro“. Um die Bergungsarbeiten abzusichern, wird die Roosevelt ins Schwarze Meer verlegt. Unsere Aufgabe ist es den Luftraum zu überwachen und im Ernstfall der Sowjetunion klar zu machen, wieso sie den Totenkopf fürchten sollte den wir im Emblem tragen. Besser lässt sich das Wortspiel mit „Fear the Bones“ und der Piratenflagge der VF-84 „Jolly Rogers“ nicht umschreiben.

Politisch nicht ganz korrekt

Eine kleine Vorwarnung gibt der Designer uns mit auf den Weg: Er möchte ganz klar verstanden wissen, dass hier die Unterhaltung im Vordergrund stehen soll. Außerdem orientiere man sich an den Action-Filmen aus den 80er-Jahren, die weder für ihre jugendfreie Sprache oder große Diplomatie bekannt sind. Rambo hat sich ja bekanntermaßen auch nicht mit Worten durchs Unterholz geschlagen und Maverick und Goose haben die internationalen Beziehungen mit zweideutigen Handgesten vertieft. In der damaligen, westlichen Alltagssprache wird man auch nicht immer förmlich von der Sowjetunion oder den Russischen Nachbarn gesprochen haben, „Ivan“ oder „Kommunisten“ dürften da wohl noch die freundlichsten Betitelungen gewesen sein. Um eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen, hat „Reflected Simulations“ daher hin und wieder zum Stilmittel der Übertreibung gegriffen, bedient Klischees, gibt den Charakteren Ecken und Kanten und klammert dabei auch mal den historischen Hintergrund aus. Ein bisschen sollte man also das Mindset der 80er Jahre kennen, um die Sprache der Mission zu verstehen. Wer es jedoch streng politisch korrekt haben will, der mache um die Kampagne besser einen Bogen und sortiere die oben genannten Actionfilme bitte aus seiner Film-Sammlung aus. Wirklich zeitgemäß sind die nämlich schon lange nicht mehr.

„There will be a lot of unprofessional banter over the radio so that you get to know your squadron mates, and what's going on around you. I'm sure there are many hardcore realism fanatics who will find it 'cringy', but it's necessary to make the story more personal. You don't get to know a character if all you hear from them is '2, radar contact, 355 for 20'“

Reflected Simulations

„Es wird viel unprofessionelles Geplänkel im Funk geben, irgendwie muss man den Charakteren ja Leben einhauchen. Ich bin mir sicher, dass es für viel Hardcore-Simulanten zu übertrieben ist. Aber man wird halt keine Story erzählen können, wenn alles was man über den Funk hört „2, Radar-Kontakt, Kurs 355 in 20 Meilen“ ist.“

Viele Wege führen zum Ziel

In der uns vorliegenden Preview-Mission hat die Kampagne bereits an Fahrt aufgenommen. Wir versuchen daher nicht zu viel zu verraten. Wir bekommen den Auftrag, einen zivilen Airliner abzufangen – er steuert auf sowjetischen Luftraum zu und somit auch auf eine Flugabwehr. Kommunikation ist nicht möglich, das Flugzeug meldet Squawk 7600, (seven-six / Radio-Fix oder Höre-Nix) hat also offenbar ein defektes Funkgerät.

Wir starten in einer kalten Tomcat auf der Roosevelt. Nach dem Hochfahren der F-14A rollen wir zum Katapult, während uns „Jester“, wie bereits in der „Zone 5“ Kampagne, die Checkliste vorliest. Nachdem wir die Flügel und Klappen ausgefahren haben, Salutieren wir mit SHIFT+U und werden von Deck geschossen. Mit dem üblichen „Clearing-Turn“ von 20° heben wir ab und achten darauf, die ersten 7nm unter 300 Knoten und 500 Fuß zu bleiben, um nicht mit anfliegendem Verkehr zu kollidieren. Sollten wir dies nicht tun, so werden wir über Funk ermahnt. Soweit geht dann der Realismus also doch und das korrekte „CASE I Starting-Procedure“ findet Anwendung. Eine durchaus machbare Aufgabe, selbst für Anfänger.

Nach dem Hand-Off erhalten wie dann von „Magic“ (unseren AWACS in der Luft) ein Bild der Lage. Mit dem zivilen Flugzeug konnte immer noch kein Funkkontakt hergestellt werden. Wir erhalten die Koordinaten des Airliners und begeben uns auf Kurs 090° zum Abfangen. Bereits nach kurzer Zeit kann „Jester“ ihn auf dem Radar sehen und unsere TV-Kamera aufschalten. Es handelt sich, wie vermutet, um eine kleine zivile Maschine. Auf dem Weg dorthin fragt uns „Caveman“, ob wir etwa Russisch lernen, weil wir die ganze Zeit mit Kopfhörern herumlaufen würden. Der Grund ist aber offenbar eine junge Dame, die für uns ein Mixtape erstellt hat. Die Frotzeleien oder besser der Neid unseres Flügelmannes ist uns dabei gewiss. Wir sind schließlich nicht alleine unterwegs, sondern haben „Caveman“ mit „Grip“ zur Deckung an unserer Seite. Wie für ein Abfangmanöver üblich, setzen wir uns an die linke Seite der Maschine und machen auf uns aufmerksam. Obwohl die schiere Präsenz einer Tomcat natürlich die sofortige Aufmerksamkeit garantieren würde, scheint der Pilot nicht zu reagieren, trotz des defekten Funkgerätes. Also versuchen wir weitere Tricks, um die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken und kommen dem sowjetischen Festland immer näher…

Wie gesagt, zu viel wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Im späteren Verlauf haben wir aber die Möglichkeit, den Ausgang der Mission zu beeinflussen. Sind wir nämlich schnell genug und erledigen unseren Job, ist uns der Dank der Geretteten sicher. Wenn wir jedoch trödeln oder den Ernst der Lage nicht erkennen, werden wir über das vehemente Vorgehen der Konfliktparteien erschüttert sein. Egal wie, die Mission wird trotzdem als erfolgreich gewertet. Das Ganze fügt sich nahtlos in die Mission ein und wird nicht über besondere Texteinblendungen gekennzeichnet. So lohnt es sich vielleicht die Kampagne ein weiteres Mal durchzuspielen.

„Often the player will be able to choose what course of action to take next, which gives them more control over the storyline. It will begin with an intro mission where I talk them through what needs to be done, and how the gameplay works in this campaign, and I also used it to introduce the characters a bit. It will also be a bit easier to complete than Zone 5. You don't need to land on the carrier to complete the mission, AAR is mostly optional, and where it isn't, I added an option to skip it and respawn with full tanks if needed. This way players of all skill levels can have fun.“

Reflected Simulations

„Häufig wird der Spieler die Gelegenheit haben zu wählen, was er in einer Mission als nächstes machen möchte. Das gibt ihm ein wenig die Kontrolle über die Story. Mit einer Intro-Mission wird erklärt, was zu tun ist, wie die Kampagne funktioniert und die Charaktere werden vorgestellt. Es wird ein bisschen leichter sein als „Zone 5“. Man muss nicht auf dem Flugzeugträger landen, um die Mission zu beenden – kann dies aber tun. Es wird keine Luftbetankung geben, da wo es nötig ist, kann man diese überspringen. Ich will damit erreichen, dass jeder, egal mit welchen Fähigkeiten Spaß haben wird.“

Das zu erwartende Action-Spektakel

Wer die Kampagnen von „Reflected Simulations“ bereits kennt,  „Zone 5“ mochte oder auch nur irgendwie die Tomcat mag, wird auch um diese Kampagne wieder nicht herumkommen. Der Fokus auf eine actionreiche Story sollte für genügend Unterhaltung sorgen. Endlich können wir die in der „Zone 5“ erlernten Kenntnisse in der Praxis umsetzen. Im Umgang mit der F-14A (ja, wieder die zeitgemäße Version mit schwachen Triebwerken) sollte man spätestens nach dieser Kampagne vertraut sein. Trägerlandungen mit dem richtigen Verfahren sind möglich, aber nicht nötig, um die Mission zu beenden. Viel Liebe zum Detail floß einmal mehr in die tollen Funkgespräche und die gestalterischen Elemente drumherum. Ganz im Stil der 80er Spielautomaten erhalten wir z. B. ein fettes „Mission Complete“ über den ganzen Bildschirm erstreckt oder ein „Game Over“, wenn wir abgeschossen worden sind. „Fear the Bones“ ist bereits fertiggestellt und liegt Eagle Dynamics zur Prüfung vor. Danach wird sie in der Regel mit dem nächsten größeren Update für etwa 10 bis 15 Euro über den DCS E-Shop zu beziehen sein.

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[…] unserem Preview konnten wir uns bereits einen ersten Eindruck über die Kampagne verschaffen und mit dem Designer […]

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