Seit Anfang Mai kann man bei Aerosoft eine vorbildgerechte Control Display Unit, kurz CDU, als Plug&Play-System für das heimische Cockpit vorbestellen. Hersteller Cockpit Master ruft für sein Erstlingswerk einen stolzen Preis von 750€ auf. Cruiselevel hat das kleine Gerät vorab für euch unter die Lupe genommen und getestet.

Oft verwechselt: CDU und FMC

Cockpit Master bietet eine originalgetreue 737 CDU als einzigartiges und ausgezeichnetes Peripheriegerät zur Programmierung des FMC in deinem persönlichen Home-Cockpit an. Die Bedeutung der beiden genannten Abkürzung wird auf der Produktseite leider gar nicht erklärt – und das, obwohl selbst versierte Simmer (und sogar Piloten) genau bei diesen Begrifflichkeit schnell in die Bredoullie geraten. Was wird also genau verkauft?

Der Unterschied ist durchaus markant: Die angebotene Control Display Unit, kurz CDU, dient als Anzeige- und Eingabegerät für den Flight Management Computer, kurz FMC. Je nach Airline-Option können in der 737NG ein oder zwei FMC installiert sein. Von außen ist das allerdings nicht ersichtlich, da sich der Computer selbst im Avionic Compartment des Flugzeuges, unterhalb des Flightdecks, befindet. Unabhängig der Anzahl von Computern befinden sich im Cockpit zwei voneinander unabhängige CDU´s. Eine für jeden Piloten. Ältere 737 aus den Original und Classic Baureihen verfügten unter Umständen nur über eine einzelne CDU, während in größeren Muster wie etwa der 747 sogar eine dritte Einheit im hinteren Pedestal installier ist. Die Control Display Unit ist also die eigentliche Eingabe-Hardware, während der FMC virtuell in unseren Flugzeugaddons werkelt.

Das verspricht der Hersteller

Nun da die Begrifflichkeit geklärt ist, zum eigentlichen Thema: Die angebotene CDU von Cockpit Master entspricht äußerlich dem realen Vorbild nach Partnummer 174101-01-03, wie sie in der Next Generation der 737 verwendet wird. Im Gegensatz zu älteren Partnummern hat sie bereits einen Wippschalter zur Helligkeitsregulierung anstelle des Drehreglers älterer Baureihen, allerdings noch keinen ATC- und VNAV-Button, sondern einzelne Tasten für Climb, Cruise und Descent. Das Gerät ist laut Hersteller mit allen großen Flugsimulatorplattformen kompatibel und erfordert nur einen einzelnen USB-Slot um an den heimischen Rechner angeschlossen zu werden. Eine HDMI- oder VGA-Anbindung ist nicht erforderlich. Außerdem gibt es ein Gestell zur CDU, mit dem das Gerät auf dem Schreibtisch aufgestellt werden kann. Kurz und knapp werden auf der Produktseite folgende Features beworben:

  • Realistisches Design und realistische Haptik, funktioniert wie im realen Flugzeug
  • Helligkeitsregulierung
  • Vollständig eigenständiges Modul
  • Keine Konfiguration erforderlich
  • Plug & Play Verbindung via USB und Hot Swap
  • Kein externer VGA- oder HDMI-Anschluss erforderlich
  • Integrierter Vollfarb-TFT-LCD-Display (hohe Auflösung und Kontrast)
  • Synchronisation ohne Verzögerung
  • Kompatibel mit Prepar3D, FSX, XPlane 11 und Microsoft Flight Simulator (bald)
  • Kompatibel mit allen großen Add-ons:
    • FSX:
      • PMDG 737NG
      • PMDG 747
      • PMDG 777
    • Prepar3D V1-5:
      • PMDG 737NGX
      • PMDG 737NGXu
      • PMDG 747
      • PMDG 777
    • X-Plane 11
      • ZIBO 737-800
      • IXEG 737-300
    • MSFS
      • Coming soon

Erhältlich ist die Cockpit Master CDU exklusiv bei Aerosoft für circa 750€, derzeit allerdings nur als Vorbestellung. Der Versand erfolgt dann in Kürze, wenn das Produkt offiziell verfügbar ist. Für unser Review haben wir von Aerosoft freundlicherweise bereits vorab ein Musterexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.

Raus aus der Kiste

Die Cockpit Master CDU kommt gut verpackt in insgesamt drei Kartons verschachtelt zu Hause an. Unser Reviewexemplar war unscheinbar in schlichtem braun verpackt. Einen bedruckten Karton gab es nicht. Das Gerät selbst ist sicher in einem passend zugeschnittenem Schaumstoff-Inlet eingelassen. Außerdem befindet sich die zusammengefaltete Halterung, zwei Schrauben und ein Verbindungskabel im Karton. Jegliche Form von Papier sucht man vergebens. Ein Handbuch oder ein Datenblatt mit Hinweise ist nicht vorhanden.

Der erste Eindruck

Die CDU wirkt optisch stimmig und gut verarbeitet. Das Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt, die Tasten bestehen aus Gummi und sind weiß bedruckt. Die Maße entsprechen mit 22,5cm x 14,5 cm exakt dem realen Vorbild, auf der Waage ist die CDU von Cockpit Master mit 500 Gramm (efreulicherweise) aber deutlich leichter.

Das mitgelieferte Gestell ist aus Alluminium gefertigt und an den Füßen mit Gummiflächen beschichtet um unkontrolliertes hin- und herrutschen zu vermeiden. Die CDU kann mit zwei Schrauben an einer Metallhalterung auf der Rückseite am Gestell fixiert werden. Die Installation ist in windeseile erfolgt. Werkzeug ist nicht notwendig. Einzig das einfädeln des Verbindungskabels ist etwas umständlich. Am besten erst das Kabel einstecken, dann erst an der Halterung festschrauben.

Die Halterung lässt sich auf verschiedene Neigungswinkel einstellen. Dafür sind auf den Füßen mehrere Rasten eingelassen, in die auf beiden Seiten zwei kleine Stützen greifen. Stufenlos verstellbar ist das System also nicht. Es lässt sich gänzlich flach stellen und bis zu einer Neigung von etwa 45 Grad aufrichten. Falls die Installation auf dem mitgelieferten Gestell nicht gewünscht ist, sind an der CDU seitlich vier Löcher ausgelassen, mit denen es individuell verschraubt werden kann.

Wenn die CDU erstmals an den Computer angeschlossen wird, erscheint auf dem Bildschirm zunächst nur eine schlichte Startseite. Bei Aerosoft steht für den Betrieb eine Software bereit, die für den Betrieb notwendig ist. Die 1,6mb müssen allerdings nicht einmal installiert werden, sondern können einfach gestartet werden. Im Anschluss zeigt die CDU eine Übersicht über installierte Simulatoren und Add-Ons. Ohne Probleme wurden die PMDG Flugzeuge und Simulatorpfade erkannt. Leider habe ich keinen X-Plane installiert, sodass ich in diesem Review nur die Kompatibiltät zu Prepar3D zeigen kann.

Fliegen mit der Cockpit Master CDU

Startet man den Simulator und lädt einen Flug mit einem der kompatiblen Flugzeugaddons, ist die CDU ohne weitere Initalisierung sofort einsatzbereit. Standardmäßig ist sie als linke Einheit konfiguriert. Das kann seit dem letzten Update der Firmware allerdings auch geändert werden. Prinzipiell arbeitet die CDU exakt wie in der Realität: Sie verbringt keine eigenständigen Wunder, sondern dient als Anzeige- und Eingabeinstrument und bildet dementsprechend ganz einfach das ab, was in Prepar3D oder X-Plane simuliert wird. Eingaben, die über das Gerät erfolgen, werden in Echtzeit im Simulator auf der entsprechenden Einheit umgesetzt. Auch andersherum bildet die Cockpit Master CDU sämtliche Eingaben ohne zeitverzögerung ab, die im Simulator mit der Maus getätigt werden. Sowohl die Systemseiten des FMC, als auch die Optionen und Einstellungen im PMDG-Menü können problemlos über die Hardware aufgerufen werden.

Rein funktional lässt sich über die CDU gar nicht viel berichten. Sie tut das was sie soll. Sämtliche Interaktionen mit dem FMC der PMDG 737 NGXu funktionieren problemlos. Auf mehr als 10 Testflügen mit der CDU habe ich keinen Systemfehler oder einen Bug entdecken können. Die Auflösung des Displays ist sehr gut, es gibt keine Darstellungsprobleme oder Pixelfehler. Ein wirklich cooles Gimmick aus meiner Sicht: Die Farben und Schriftarten auf dem Display wechseln je nach Flugzeugmuster. Während in der 737 NG weiße und magentafarbene Buchstaben dargestellt werden, wird in 737 Classic und 747-400 ein historischer Charme mit dünner, grüner (wenn auch etwas zu greller) Schrift verbreitet.

Für Nachtflüge ist das Gerät mit einer warmweißen Hintergrundbeleuchtung ausgestattet. Sie lässt sich allerdings nicht ein- oder ausschalten sondern beleuchtet die Tasten durchgängig.

Das Hauptargument für den Kauf der 750€ schweren CDU sind definitiv Handling und Haptik. Tatsächlich wirkt das Gerät sehr wertig, nicht billig oder klapprig verbaut und lässt sich ausgesprochen gut bedienen. Die gummierten Tasten sind gut zu erfassen und haben einen recht festen Widerstand mit deutlich spürbarem Klick. Ich selbst kenne aus dem realen Vorbild nur Einheiten, die schon tausende Flugstunden auf dem Buckel haben und habe keinen Eindruck von werkneuen Geräten. Das der Klickwiderstand der Cockpit Master CDU ein wenig fester als in der Realität wirkt, möchte ich deshalb nicht unbedingt dem Hersteller anlasten. Die Oberflächenhaptik zumindest kommt dem echten Vorbild sehr nahe und ist gut umgesetzt!

Vorteilhaft finde ich, dass man die CDU nicht nur mit den bekannten 737 Umsetzungen für Prepar3D und X-Plane fliegen kann, sondern auch Kompatibilität zu den Boeing Widebodys 747 und 777 von PMDG besteht. So ist man bei den hohen Investitionskosten nicht zwangsweise auf ein einzelnes Flugzeugmuster reduziert, obwohl das Tastaturlayout in den beiden Großraumflugzeugen nicht zu 100% dem der 737 entspricht. CLB, CRZ und DES Buttons haben die beiden Maschinen nicht, dafür sind diese beiden Tasten mit den entsprechenden Gegenstücken konfiguriert. Das funktioniert einwandfrei, weil alle Boeing-Muster die gleiche Anzahl an Buttons haben, die lediglich anders belegt sind. In 747 und 777 muss man sich daher ein wenig umstellen und die Tastenbelegung auf dem Schirm haben. Da das Resultat eines Klicks aber direkt über den Tasten auf dem Bildschirm ersichtlich ist, kommt man auch mit dieser “improvisierten” Variante schnell zurecht. Für die Airbusmuster von FSLabs lässt sich das Gerät leider nicht verwenden. Dafür weicht das Tastaturlayout im Vergleich zur Boeing zu stark ab.

Leider gibt es kein offenes Konfigurationsprogramm oder eine Code-Schnittstelle für die CDU. In Sachen Kompatibilität zu Add-On-Flugzeugen ist man also auf die Zuarbeit der Entwickler angewiesen. Auch FSUIPC oder SPAD.neXt können auf die kleine Box nicht zugreifen.

In vielen Kommentaren ist bereits der Vergleich zu Softwarelösungen wie beispielsweise Remote CDU von AviaSoft gezogen worden. Für nahezu jedes komplexe Flugzeugaddon mit FMC gibt es mittlerweile kostengünstige Apps mit denen es möglich ist, die CDU auf ein externe Tablet auszulagern und von dort aus per Touchoberfläche zu bedienen. In der Regel für wenig Geld. Auch wenn der Nutzen von CDU-App und CDU-Hardware absolut identisch ist, möchte ich die beiden Alternativen an dieser Stelle nicht miteinander vergleichen. Es handelt sich hier schlichtweg um den Unterschied zwischen originalgetreuer Hardware und Softwarelösung, den es ebenso bei Radiopanel, MCP oder anderen Systemen gibt. Letztendlich steht dahinter die Einstellung eines Simmers, ob das simulierte Flugzeug bedient werden, oder das heimische Cockpit so real und authentisch wie möglich ausgestattet sein soll.

Fazit

Eine CDU nach Vorbild für ein bestimmtes Flugzeugmuster ist ein Nischenprodukt. Das Gerät ist in erster Linie für die Simmer interessant, die sehr viel oder gar ausschließlich in der virtuellen 737 unterwegs sind und/oder ein Homecockpit nach Vorbild des kleinen Zweistrahlers aufbauen.

Trotzdem sind 750€ für einen 15x20cm großen Kasten mit Kabel eine ordentliche Stange Geld. Die Qualität von Verarbeitung und Material überzeugt allerdings und die CDU ist dem realen Vorbild exakt nachempfunden. Proportionen und Haptik stimmen, Bildschirm und Tasten sind von sehr guter Qualität. Auch technisch kann sich das Gerät von Cockpit Master beweisen. Die Bemerkung  Es dauert länger, dieses Produkt auszupacken, als es im Simulator in Betrieb zu nehmen kann ich zu 100% bestätigen. Die Einrichtung ist kinderleicht und in windeseile erledigt. Im Betrieb habe ich kein einziges Mal Verbindungs- oder Synchronisationsprobleme gehabt.

Auf dem Markt gibt es bereits verschiedene Boeing 737NG-CDUs für den Homecockpitbedarf. Sie liegen preislich sowohl deutlich über, als auch unterhalb der veranschlagten 750€. Ohne die Konkurrenzprodukte verglichen zu haben, möchte ich an dieser Stelle resümieren: Die Cockpit Master CDU macht ihren Job ausgesprochen gut. Sie funktioniert mit einem einzelnen USB-Kabel, erfordert also keinen Display-Anschluss, ist mit gängigen 737 Umsetzungen für Prepar3D und X-Plane, sowie zusätzlich auch den 747 und 777-Umsetzungen von PMDG kompatibel und ist in Handling und Haptik absolut überzeugend. Wer sein 737-Cockpit mit mehr Authentizität sowohl optisch, als auch haptisch aufrüsten möchte. der wird auf keinen Fall enttäuscht!

CS 737X CDU

Cockpit Master
749,99
  • Kompatibel mit PMDG, IXEG und ZIBO
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Constantin Greis
Constantin Greis
3 Monate zuvor

750€ for something that resembles an MCDU that is not even allowed to be used anymore in real 737’s…
Two years ago all 737 CDUs had to be exchanged with the next gen MCDU which features the same keyboard layout as the 747 or 777 MCDUs we’re used to from PMDG aircraft.
Since this piece of hardware also works with those it would have been a thousand times better if the new layout was modelled.
What you get now for 750€ has been banned from flying in real aircraft years ago.
Not worth the money.

Highflyerip
Highflyerip
3 Monate zuvor

„Die Qualität von Verarbeitung und Material überzeugt allerdings und die CDU ist dem realen Vorbild exakt nachempfunden“…: na, da darf man aber doch bezweifeln, dass der Autor tatsächlich schon einmal Hand an das Original gelegt hat.
Hier sind nämlich die Tasten aus Kunstoff gefertigt und damit entsprechend hart ausgelegt. Haptisch dürfte dann doch ein vom Vorbild erheblich abweichender Unterschied vorliegen…
Und dann bei dem Preis noch nicht einmal Austauschtasten für das nicht unerheblich abweichende Layout zwischen 737 & 747 ( N1 / VNAV / CLB / CRZ / DES / ATC / FMC COMM )…
Besten Dank…!
Da dann doch lieber die APP für 30€, die in Verbindung mit einem weitaus vielseitiger einsetzbaren iPad insgesamt auf keine 500€ kommt.

simmershome
3 Monate zuvor
Antwort auf  Tom

Es ist sinfrei, jemandem der auf einem Ipad Screen freudig rumtippt, aber Hargummitasten moniert, irgendwelche Hardware Lösungen schmackhaft machen zu wollen.
Meine Hardware CDU (Engravity) läuft seit vielen Jahren klaglos und ich käme nie auf die Idee diese gegen eine Softwarelösung einzutauschen oder bei PMDG auf dem Bildschirm was rumzuschubsen.
Aber das ist halt Geschmacksfrage.

Flori-Wan Kenobi
Flori-Wan Kenobi
3 Monate zuvor

Warum habe ich das Gefühl das man mit dem halben Preis das 3 oder 4 Fache an Geräten umsetzt, diese absoluten Fantasiepreise bei Flusi-Hardware ist wirklich nicht so schön.

In der Regel sind das Produzenten die Zugang zu entsprechenden Maschinen haben, die sowieso schon da sind in den also Abschreibungs- und Investitionskosten nicht zum tragen kommen. Und mit den entsprechenden Maschinen sind die Produkte sehr günstig zu produzieren. Eine CNC Laser, eine Fräse und selbst ein vernünftiger Wasserschneider stehen mittlerweile gefühlt in jeder besseren Schlosserei.

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