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Im echten Cockpit einer Boeing 777 ist kaum etwas improvisiert. Jeder Handgriff folgt einem festgelegten Ablauf, jede Aktion ist Teil eines standardisierten Verfahrens. Der Captain setzt Schub, der First Officer überwacht die Triebwerksparameter und bestätigt: „Thrust set“. Der eine befiehlt, der andere führt aus. Es ist ein Zusammenspiel, das Sicherheit schafft – und das bislang in der Flugsimulation meist nur durch Tools von Drittanbietern abgedeckt wird.

FlightFactor arbeitet nun daran, genau diesen Aspekt stärker in seine Boeing 777 für X-Plane 12 zu integrieren. Chefentwickler Ramzzess hat im X-Plane.org-Forum angekündigt, dass eine Beta-Version eines neuen SOP-Systems (Standard Operating Procedures) kurz vor der Veröffentlichung stehe. Ziel ist es, die virtuelle Cockpit-Crew nicht nur akustisch darzustellen, sondern prozedural in den Ablauf einzubinden.

Vom akustischen Begleiter zum funktionalen Crewmitglied

Bereits in der aktuellen Version der FlightFactor 777 existiert eine umfangreiche Crew-Simulation. Virtuelle Charaktere übernehmen Aufgaben wie Beladung, Wartung oder Enteisungsanforderungen. Auch ein virtueller First Officer ist vorhanden, der Systeme erklären oder bestimmte Aktionen unterstützen kann – oder per Voice zu Taten gebracht werden kann.

Was bisher fehlte, war jedoch die eigentliche Struktur der Verfahren selbst. Zwar gab es Callouts und unterstützende Funktionen, doch die zugrunde liegenden Abläufe waren bislang nicht systematisch abgebildet.

Genau hier setzt das neue System an.

Verfahren mit Zustandsüberwachung und Eingriffslogik

Kern des Updates ist eine Sammlung definierter SOP-Sequenzen, darunter etwa Verfahren für Taxi, Start oder Sinkflug. Diese können manuell aktiviert oder automatisch ausgelöst werden. Während ein Verfahren läuft, überwacht der virtuelle First Officer kontinuierlich den Zustand relevanter Systeme und reagiert entsprechend.

Die einzelnen Verfahrensschritte sind dabei unterschiedlich strukturiert:

  • Einige Schritte erfordern eine aktive Bestätigung durch den Nutzer, etwa die Kontrolle eines bestimmten Systemzustands.
  • Andere Schritte basieren auf Befehlen, die der Nutzer erteilt, etwa zum Einfahren des Fahrwerks oder zur Klappenkonfiguration.
  • In bestimmten Fällen kann der virtuelle First Officer Aktionen selbstständig durchführen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.
  • Zusätzlich besteht die Möglichkeit, einzelne Punkte zu überspringen oder zu übersteuern.

Zur Steuerung dieser Abläufe führt FlightFactor ein universelles Kommando ein, das unabhängig von der bestehenden Sprachsteuerung funktioniert. Damit lassen sich Verfahren starten, Schritte bestätigen oder Aktionen auslösen, ohne auf Spracherkennung angewiesen zu sein, deren Zuverlässigkeit von externen Faktoren wie Mikrofonqualität oder Umgebung abhängt.

Annäherung an reale Cockpit-Arbeitsabläufe

Ein wichtiger Aspekt des Systems ist die stärkere Trennung zwischen Pilot Flying und Pilot Monitoring. Bestimmte Aktionen werden nicht mehr direkt vom Nutzer ausgeführt, sondern müssen zunächst als Befehl erteilt werden. Die Umsetzung erfolgt anschließend durch den virtuellen First Officer.

Damit verschiebt sich die Rolle des Nutzers ein Stück weit von der direkten Systembedienung hin zur prozeduralen Steuerung – ein Ansatz, der sich stärker an realen Airline-Operationen orientiert als die klassische Ein-Pilot-Bedienlogik vieler Simulationen.

Begrenzte Anpassungsmöglichkeiten vorgesehen

Eigene SOP-Definitionen lassen sich zunächst nicht erstellen. FlightFactor plant stattdessen ein System vordefinierter Prozedurelemente, die optional aktiviert oder deaktiviert werden können. So können Nutzer beispielsweise festlegen, welche Callouts in bestimmten Flugphasen verwendet werden sollen.

Eine vollständige Individualisierung, wie sie reale Airlines durch ihre eigenen Operations Manuals vorgeben, ist vorerst nicht vorgesehen.

Schrittweise Weiterentwicklung der bestehenden Crew-Simulation

Mit der Einführung eines prozedural gesteuerten First Officers erweitert FlightFactor ein bereits vorhandenes Crew-System um eine funktionale Ebene. Während viele Add-ons Checklisten oder akustische Callouts implementieren, zielt dieser Ansatz darauf ab, den Ablauf selbst strukturell abzubilden.

Wann die Beta-Version veröffentlicht wird, ist derzeit noch offen. Die Ankündigung deutet jedoch darauf hin, dass FlightFactor die bestehende 777 auch nach ihrer ursprünglichen Veröffentlichung weiterhin funktional ausbaut.

Ein PDF, das näher auf die Funktion eingeht, findet ihr hier.

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Björn
Team
Björn
7 Stunden zuvor

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Constantin
Constantin
4 Stunden zuvor
Antwort auf  Björn

Die FF ist echt super geworden freu mich auf das Update.

Irgendwie wirkt die pmdg 777 seelenlos dagegen.

Alexander
Alexander
1 Stunde zuvor
Antwort auf  Constantin

Ich mag beide, die FF ist mir manchmal zu verspielt, die PMDG dagegen „straight forward“. Aber beide haben ihre Daseinsberechtigung.

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