
Deadstick ist eines dieser Projekte, die sich hartnäckig jeder eindeutigen Einordnung entziehen. Ein Simulator, der vor Jahren angekündigt wurde, große Erwartungen weckte, dann praktisch verschwand und nun langsam wieder in die Öffentlichkeit zurückkehrt. Nicht mit einem Release-Datum, nicht mit einer fertigen Version, aber mit Fortschrittsberichten, Playtest-Ankündigungen und einer Botschaft, die vor allem eines vermitteln soll: Die Entwicklung läuft weiter.
Dabei schien die Geschichte zwischenzeitlich bereits beendet. Im Mai 2021 konnte man ja auch bei uns lesen, dass die Entwicklung des Bush Flight Simulators vorerst pausiert wurde. Entwickler Chris Cheetham erklärte damals auf Discord, man prüfe „eine Nummer von Optionen und Möglichkeiten“, nachdem die Zusammenarbeit mit dem Publisher beendet worden war. Konkrete Details oder einen Zeitrahmen nannte er nicht. Stattdessen blieb die Zukunft des Projekts offen, und Cheetham selbst räumte ein, nicht versprechen zu können, wie es weitergehen würde. Für viele Beobachter war das ein deutliches Warnsignal, denn eine Entwicklungsunterbrechung ohne klare Perspektive bedeutet in der Regel mehr als nur eine Pause.
Deadstick war ursprünglich mit einem klar definierten Konzept angetreten. Statt die gesamte Welt zu simulieren, sollte der Fokus auf Bush Flying liegen, also auf kleinen Flugzeugen, schwierigen Bedingungen und abgelegenen Flugplätzen. Die Idee bestand darin, nicht nur das Fliegen selbst darzustellen, sondern auch die operative Realität eines Piloten. Spieler sollten Aufträge übernehmen, Fracht transportieren und sich wirtschaftlich weiterentwickeln, während Schäden und Wartung direkten Einfluss auf den Betrieb haben. Dieses Konzept zielte bewusst auf eine Simulation mit Konsequenzen, nicht nur auf eine technische Darstellung des Fliegens.
Sehr lebendig
Nach der Pause im Jahr 2021 blieb es lange still. Doch dann kam im September 2024 kam wieder Bewegung in das Projekt. Damals gab es zu berichten, dass sich mit Mythwright ein neuer Publisher zu Wort gemeldet hatte. In einer Stellungnahme auf Discord erklärte das Unternehmen, Deadstick sei „sehr lebendig“, und kündigte an, die Entwicklung fortzusetzen und künftig wieder regelmäßiger über Fortschritte zu informieren. Diese Aussage markierte den ersten konkreten Hinweis darauf, dass das Projekt tatsächlich weitergeführt werden sollte, nachdem es zuvor über Jahre hinweg praktisch aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden war.
Inzwischen zeigt sich, dass diese Ankündigung nicht folgenlos geblieben ist. Die Entwickler veröffentlichen wieder regelmäßig Updates und berichten über Fortschritte bei zentralen Systemen. Dazu gehört insbesondere das Karrieresystem, das den Kern des Spiels bilden soll. Auf der Steam-Seite wird beschrieben, dass Spieler ihr eigenes Bush-Flying-Unternehmen aufbauen, Aufträge annehmen und ihre Reputation steigern können. Faktoren wie Gewicht und Fragilität der Fracht oder der Zustand des Flugzeugs spielen dabei eine Rolle und beeinflussen sowohl das Risiko als auch die Belohnung einzelner Missionen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Simulation von Verschleiß und Schäden. In Entwickler-Updates heißt es, dass Komponenten ausfallen oder beschädigt werden können und dass Spieler in bestimmten Situationen gezwungen sind, ihr Flugzeug manuell wieder startfähig zu machen. „Sometimes incidents happen and you will need to hand crank your plane back into action“, heißt es dazu auf Steam. Diese Formulierung verdeutlicht den Anspruch, nicht nur den Flug selbst zu simulieren, sondern auch die technischen und operativen Herausforderungen, die damit verbunden sind.
Altes Projekt, neuer Markt
Auch die Spielwelt nimmt zunehmend Gestalt an. Statt einer globalen Simulation setzt Deadstick auf mehrere handgebaute Regionen mit jeweils eigenen Flugplätzen und Umweltbedingungen. Inspiration liefert dabei Alaska, dessen geografische und klimatische Bedingungen als Vorlage für das Szenario dienen. Entwicklerberichte sprechen von unterschiedlichen Regionen, variierenden Wetterbedingungen und einer Umgebung, die bewusst auf die Anforderungen des Bush Flying zugeschnitten ist. Wetter soll dabei nicht nur visuelle Atmosphäre liefern, sondern direkten Einfluss auf die Durchführung von Flügen haben, etwa durch eingeschränkte Sicht, Eisbildung oder schwierige Landebedingungen.
Parallel dazu arbeiten die Entwickler an technischen Grundlagen wie Audio-Simulation, Eingabegeräte-Integration und Benutzeroberfläche. Besonders die Unterstützung von HOTAS-Systemen und anderen Hardware-Controllern gilt als wichtiger Schritt, um den Simulator für die Zielgruppe attraktiv zu machen. Zudem wurde eine öffentliche Playtest-Phase angekündigt. Laut Entwicklerangaben haben sich bereits mehrere tausend Spieler registriert, um Zugang zu frühen Versionen zu erhalten. Diese Zahl zeigt, dass das Interesse trotz der langen Entwicklungszeit weiterhin vorhanden ist.
Die Ausgangssituation hat sich jedoch grundlegend verändert. Als Deadstick erstmals angekündigt wurde, existierte Microsoft Flight Simulator in seiner heutigen Form noch nicht. Heute ist der Markt durch eine globale Simulation geprägt, die eine nahezu vollständige Abdeckung der Erde bietet und technisch neue Maßstäbe gesetzt hat. Deadstick scheint daher zwangsläufig einen anderen Ansatz zu verfolgen. Statt mit Größe oder globaler Abdeckung zu konkurrieren, konzentriert sich das Projekt auf ein enger gefasstes Szenario und ein Gameplay-Konzept, das stärker auf Progression und wirtschaftliche Simulation ausgerichtet ist.
Ambitionen umsetzen
Ob dieser Ansatz erfolgreich sein wird, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Einerseits zeigt die wiederaufgenommene Entwicklung, dass Deadstick weiterhin aktiv vorangetrieben wird. Die regelmäßigen Updates und die geplanten Playtests deuten darauf hin, dass sich das Projekt in einer realen Produktionsphase befindet. Andererseits bleibt die lange Entwicklungszeit ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Projekte, die über Jahre hinweg pausieren oder neu strukturiert werden, stehen oft vor besonderen Herausforderungen, sowohl technisch als auch organisatorisch.
Fest steht, dass Deadstick heute in einer anderen Situation ist als noch vor wenigen Jahren. Das Projekt ist nicht mehr vollständig verschwunden, sondern wieder sichtbar geworden. Die Entwickler kommunizieren Fortschritte, arbeiten an zentralen Systemen und bereiten erste Tests vor. Ein konkreter Veröffentlichungstermin wurde weiterhin nicht genannt, doch im Gegensatz zur Phase nach 2021 ist die Entwicklung inzwischen wieder nachvollziehbar. Und regelmäßige Bilder und News untermauern die Fortschritte – auf Steam und im Deadstick-Discord.
Deadstick ist damit zu einem Projekt geworden, das zwischen Vergangenheit und Zukunft steht. Eigentlich schon ein alter Simulator, hehe. Es trägt die Geschichte einer langen und schwierigen Entwicklung mit sich, zeigt aber gleichzeitig Anzeichen dafür, dass es tatsächlich erscheinen könnte. Ob es am Ende gelingt, die ursprünglichen Ambitionen umzusetzen, wird sich erst zeigen, wenn aus Fortschrittsberichten ein fertiges Produkt wird. Bis dahin bleibt Deadstick vor allem eines: ein Simulator, der sich bislang erfolgreich geweigert hat, endgültig zu verschwinden.

danke für den Überblick
Sorry muss jetzt aber blödeln
eigentlich müsste der SIM jetzt auf Deutsch DKTS heißen = „Doch kein toter Simulator“
und nicht „dead stick“ = nicht mehr drehender Propeller 🙄
Oha, danke fürs „im Blick behalten“! Ich hatte DS wieder abgeschrieben nach dem kurzen aufflackern.
Ich bin glaube ich definitiv die Zielgruppe, nach wie vor. Wenn ich ein plausibles Paket aus überzeugenden Fliegern, schöner Darstellung, Immersion und Motivation (!) bekomme – ich bin dabei.
Ich habe aber nach wie vor die Sorge, dass Deadstick a) es einfach nicht auf den Markt schaffen, b) sich nicht genug vom MSFS absetzen und c) nach Erscheinen nicht genug Liebe und Ausdauer bekommt um mehr als eine kleine Simulations-Sternschnuppe zu sein.