Sie ist die größte und beliebteste, der vielen griechischen Inseln im Mittelmeer – Kreta. Neben der Souda Air Base und deren zivilem Teil in Chania, im Westen der Insel, ist der Hauptausgangspunkt einer jeden Kreta-Reise, eigentlich der alt-ehrwürdige Flughafen Nikos Kazantzakis in der Inselhauptstadt Heraklion. 2,43 Mio. Passagiere starteten von deutschen Airports im Jahr 2025 in einen Kreta-Urlaub, nach Heraklion.
Das lettische Entwickler-Studio Lisium Design (Riga & Vilnius bspw.), hat nun passend zum Saisonstart für die griechischen Inseln, seine neue Szenerie des Airports, für den MSFS 2024 veröffentlicht und cruiselevel mit einer Review-Copy ausgestattet – vielen Dank dafür! Wir wollen euch mit diesem Review nun aufzeigen wo die Stärken und Schwächen liegen und ob sich ein Kauf lohnt.
Zum Zeitpunkt des Reviews wurde die initiale Release-Version 1.0.0 getestet. Hierzu sei vorab erwähnt, dass in dieser Version noch Fehler bei der Nutzung von „Seasons Enhanced by Bijan“ auftreten können – ebenso gibt es einen Texturfehler im Bereich des Ground Clutters, nahe des Terminals. Bei Veröffentlichung des Reviews wurde bereits Version 1.0.2 mit Fixes für beide Issues veröffentlicht.

Das Terminal – Außen
Zumindest als Passagier ist es der Bereich eines Flughafens, in dem man sich am längsten aufhält. Und auch als Flightcrew, schaut man zumindest mal während seines Turnarounds eine gewisse Zeit lang drauf – das Terminal. Es ist der Start- und Endpunkt einer jeden Urlaubsreise.
Am Flughafen von Heraklion, ist das ganze nicht immer mit wahnsinnig guten Erinnerungen verbunden…da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Ursprünglich in 1971 errichtet und bis 1980 erweitert, war es in den Sommermonaten eigentlich von Beginn an zu klein, um den immer weiter wachsenden Passagierzahlen gerecht zu werden. Bereits 1998, wurden 4,1 Mio. Passagiere abgefertigt.




Dennoch wurde bis Ende der 2010er Jahre, wenig bis gar nichts an dessen Zustand geändert, trotz weiter steigenden Passagierzahlen, denn ein Griechenland Urlaub war und ist, beliebter den je. Im Jahr 2017 wurde dann eine grundlegende Renovierung des Terminals, sowie ein luftseitiger Anbau beschlossen, welche beide zur Sommersaison 2018 fertiggestellt wurden. Vorbei waren die Zeiten des zweimaligen Anstellens, erst fürs wiegen des Gepäcks und dann beim Röntgen, sowie der stickigen Luft, in der viel zu kleinen Halle des Sicherheitsbereichs.
Die Texturierung und das Modelling des Terminals, ist von Lisium hier sehr schön getroffen worden. Die typisch griechische Architektur der 70er und 80er Jahre kommt hierbei gut herüber. Bei der Texturierung wurde durchaus auch mit Auge zum Detail gearbeitet, so hat das inzwischen alte Gebäude auch seine Risse und bröckelnden Stellen erhalten. Kleine, auf dem Dach platzierte Überwachungskameras, passend platzierte Schilder und das von außen bereits sichtbare Interieur runden das Bild ab.




Das Terminal – Innen
Wie oben bereits erwähnt, hat im Zuge der Renovierung in 2018, auch die Landseite ein großes Update erhalten. So gab es neue Check-In Schalter und eine gänzlich neue Gepäckanlage, wodurch das doppelte Anstehen, Geschichte wurde.
Das Flair der Check-In-Halle wurde von Lisium dabei gut getroffen, mit seinen niedrigen Decken und dem nur sehr wenigen, natürlichen Licht. Fenster, sucht man hier nämlich vergeblich, mit Ausnahme der wenigen Eingänge. Zu den Abflugwellen an heißen Sommertagen, kann man die stehende Luft somit auch im Sim förmlich spüren. Die überall in Griechenland zu findenden, streunenden Katzen dürfen auch hier natürlich nicht fehlen – sie begegnen einem an vielen Stellen in der Szenerie.




Einmal durch die Sicherheitskontrolle, so öffnet sich dem Passagier der neugestaltete Duty-Free Bereich. War dieser zuvor in eine schmuddelige Ecke im 1.OG des Terminals verbannt, so hat dieser seit dem Umbau deutlich mehr Platz bekommen. Auch hier wurde durchaus detailliert gearbeitet. So ist der Bereich genau so aufgebaut, wie ich ihn persönlich auch in Erinnerung habe – mit vielen Licht-Elementen, modern und Details an der Decke.




Durch den Anbau, hat sich auch der Gate-Bereich stark verändert. Dieser hat nun, durch die lange Fensterfront, viel mehr Licht erhalten und gleichzeitig auch mehr Platz. Zwar in den großen Wellen immer noch zu wenig, aber das wird sich kaum noch ändern.
Auch hier hat Lisium detailreich gearbeitet, so wurde der Bereich vollständig aus-modelliert, mit typischen Wandbildern versehen, sowie Shops und statische Passagiere eingebaut. Auf den Monitoren über den Sitzreihen, laufen sich wechselnde Bilder.




Zu guter Letzt, schauen wir uns noch kurz den Ankunftsbereich an. Nachdem man mit dem Bus an der Seite abgesetzt wurde, geht es per Rolltreppe eine Etage höher. Für Schengen-Passagiere warten hier ganze zwei Gepäckbänder auf die Kundschaft, weitere zwei stehen Non-Schengen Passagieren zur Verfügung.
Der Bereich wird dabei sehr gut dargestellt und der Weg ist klar nachzuvollziehen. Kleine Späße wie die auch hier zu findenden Katzen oder den typisch britischen Touri, welcher erstmal wieder eine dämliche Aktion für Instagram machen muss, wurden auch hier eingebaut.




Der Apron und was dazu gehört
Genug vom Terminal, schauen wir uns den Apron an. Dieser wurde über die vielen Jahre immer wieder erweitert, genauso wie das Rollweg-Netzwerk. So musste bis ins Jahr 2007, für den Start auf der bevorzugten Piste 27 noch ein Backtrack durchgeführt werden. Seitdem wurde der Taxiway D gebaut, was am Ende auch eine deutliche Kapazitätserweiterung bei den Flugbewegungen brachte.
Ebenso sind zahlreiche neue Vorfeldpositionen entstanden. Direkt vor dem Terminal sind es derer zehn. Westlich und Östlich davon kommen weitere fünfzehn und das GAT auf der ehemaligen Piste 36 dazu.
Die Bodentexturen sind sehr hoch aufgelöst, Markierungen klar Erkennbar. Auf den Parkpositionen wurde mit ordentlich „Dreck“ gearbeitet, seien es Fuel und Oil Spillages, als auch einfach Gummi-Abriebe. Diverses Ground-Clutter, die beiden Fuel-Farmen, sowie die Bereiche um die beiden großen Abfertiger (Goldair und Swissport) und den Tower wurden ebenso ausgeschmückt.








Heraklions Markenzeichen
Die beiden Markenzeichen des Airports, sind wohl die Steilküste im Final der 27, bzw. der Überflug der der Stadt auf der gegenüberliegenden Seite, sowie der Höhenunterschied zwischen Runway und Apron. In der bisherigen Payware-Variante des Airports, entwickelt von JustSim und aus dem P3D portiert, fehlte es an letzterem komplett. Ketzerisch könnte man behaupten, der Airport war noch flacher als Ostfriesland.
Dies zu verbessern, hat sich Lisium von Tag 1 an auf die Fahne geschrieben, durchaus mit Erfolg. Der Höhenunterschied zwischen der Runway und dem deutlich höher liegenden Apron ist klar zu erkennen und zu spüren. Die Optik ist dabei vielleicht etwas, wo noch optimiert werden könnte, so ist im Graben zwischen den beiden, doch eine klare Kante entlang der Vegetation, mit einigen schwebenden Büschen zu erkennen.
Das Runwayprofil folgt gut den lokalen Gegebenheiten, mit dem markanten Buckel in der Touchdown-Zone, welche dem ein oder anderen mir bekannten Real-Life Piloten schon zum „Verhängnis“ wurde.
Die Texturierung der Rollwege und der Start- und Landebahn ist gut aufgelöst, mit altem Beton am Anfang der Schwelle, sowie reichlich altem Abrieb in der TDZ. Die Vegetation ist üppig gestaltet und das durch den Beton brechende Unkraut verleiht dem ganzen zusätzliche Details.








Dem Runway-Profil sowie dem Anflug werden durch die modellierte Steilküste, sowie dessen bemalte Stützwand auf der Nordseite der Piste, vorhandene PAPI-Modelle und das Platz-VOR, weitere Details verliehen.




Dual-Use-Airport
Heraklion ist ein sogenannter „Dual-Use-Airport“. Denn neben der größtenteils zivilen Nutzung, betreibt die Hellenic Air Force, wie an so vielen Airports in Griechenland, auch in Heraklion eine kleine Militärbasis. Der nördliche Teil der Basis sieht dabei deutlich aktiver und besser modelliert aus, als der südliche. So findet man im Norden einige Shelter, mitsamt Ground Clutter und platziertem militärischem Equipment, inklusive Helikoptern.
Im Süden hingegen, wirkt das ganze deutlich weniger detailreich. Auch hier wurden die Shelter platziert, jedoch fehlt es bspw. an der Bodentextur am direkten Entry. Equipment wurde platziert, einige Gebäude, welche auf den Luftbildern zu erkennen sind, fehlen jedoch gänzlich. Dies wird im Verlaufe des Reviews auch noch an anderen Stellen sichtbar. Hier wäre also durchaus noch Luft nach oben.




Das Drumherum
Was gibt es denn noch so neben dem Airport zu bestaunen? Zum einen wären da die direkt an den Airport angrenzenden Autovermieter, sowie der große Vorplatz, auf dem die Reisebusse der Veranstalter, sowie private Fahrzeuge stehen. Kleinere Details beinhalten hier lokale Taxis, mit passendem Kennzeichen oder wehende Fahnen der Vermieter.




Weiterhin finden wir auf der Südseite die Infanterie und Offiziersschule des Militärs, allerdings fehlen auf diesem Gelände erneut einige Gebäude. Zugegebenermaßen ist es sicher schwer, gerade im militärischen Bereich, dies detailliert umzusetzen, allerdings kommt es hier auch zu kleineren Terrain-Fehlern und schwebenden Gebäuden.
Thema fehlende Gebäude: Der unten an der Autobahn stehende und wie üblich recht markante IKEA-Markt fehlt leider auch gänzlich. Auf dem Hügel über dem Airport, thront die bekannte Radar Station.




Wechseln wir auf die Nordseite. Auch hier gibt es kleinere Terrain-Glitches, welche aber eher nur bei direkter Betrachtung ins Auge stechen sollten. Allerdings fehlen auch hier kleinere Gebäude oder der Platz zum Fahrsicherheitstraining. Schön ist die „Kunst-Wand“ hinter der Piste 09.




Was jedoch modelliert wurde im Norden, sind die drei an der Piste liegenden Fußballplätze, inkl. des kleinen Stadions und der nebenan liegenden Tennisplätze. Diese, vor allem das Stadion, wurden dabei schön ausgearbeitet und texturiert.




Gehen wir weiter gen Westen und vom Airport weg, so bleibt eigentlich nur noch eine markante Landmarke übrig, welche entweder im Final auf die 09 oder eben im Departure aus der 27 immer überflogen wird – das Hafengebiet. Daher liegt es nahe dass dies in eine Szenerie des Airports auch inkludiert werden sollte – was Lisium auch getan hat.
So wurde der Hafen mit seinen Anlagen modelliert und mit platzierten Schiffen, wie u.a. der AIDAPrima bestückt. Herzstück des Hafens dürfte jedoch die alte Festung an dessen ursprünglicher Einfahrt sein, welche sowohl am Tag, als auch bei Nacht ein beliebtes Fotomotiv ist.






Nachtbeleuchtung
Zu guter Letzt wollen wir uns noch dem Thema Nachtbeleuchtung widmen. Diese ist was die Piste und Taxiways angeht soweit stimmig und vorhanden. Die Beleuchtung und Ausleuchtung des Aprons könnte jedoch etwas kräftiger sein. Zwar sind wie in der Realität die einzigen Lichtmasten am Terminal platziert, die äußeren Positionen liegen aber doch schon arg im dunkleren Bereich. Hier sollte man also schon etwas aufpassen.
Das Terminal an sich und die Umgebung finde ich dabei gut eingebunden.






Fazit
Bleibt noch das Fazit. Heraklion von Lisium Design ist in allen Belangen, eine deutliche Aufwertung für den Hauptflughafen, der größten griechischen Insel und distanziert die bisherige JustSim Szenerie in allen Bereichen. Der markante Höhenunterschied zwischen Piste und Apron und generell auch das Runwayprofil sind mit dieser nun endlich stimmig.
Das Modelling und die Texturierung des Terminals, sowie dessen Umgebung überzeugen. Gerade hier wurde auf viel Liebe zum Detail gesetzt, sowohl außen, als auch m.M.n. vor allem beim Interieur. Aber auch die Texturen am Ground und die platzierte Vegetation passen sich gut ins Bild ein und bringen typisch griechisches Flair.
Dennoch lassen sich auch ein paar Schwachpunkte, bzw. Möglichkeiten für Verbesserung finden. So könnte der militärische Teil etwas besser ausmodelliert und um Gebäude ergänzt werden. Ebenso fehlen mit dem IKEA Markt im Süden, sowie kleineren Gebäuden im Norden, schon ein paar Landmarken, welche ins Auge stechen würden. Hinzu kommen kleinere Terrain-Glitches, welche aber eher nur beim näheren hinsehen auffallen.
Performance-Probleme traten mit meinem Test-System nicht auf, dies sollte aber auch bei der Lage des Airports, auf einer Insel, abseits der großen Ballungsgebiete, eher nicht der Fall sein.
Alles in allem jedoch, ist die Szenerie ihre 21,40€ im Contrail-Shop absolut wert und sollte auf der Einkaufsliste eines jeden Simmers und einer jeden Simmerin stehen, welche in der europäischen Sommersaison gern Ferien-Destinationen anfliegen. Lisium steigt qualitativ mit Heraklion in eine neue Stufe auf und man darf daher gespannt, auf das in der Szenerie bereits geteaserte, nächste Projekt sein – von daher: Klare Kaufempfehlung!

Test-System:
CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
RAM: 64GB Kingston Fury Beast – DDR5-6000 CL30
MB: Gigabyte AORUS Elite B850 ICE
GPU: Gigabyte AMD RX6800 Gaming OC – 16GB
Kühlung: Arctic Freezer III Pro 360 RGB
Speicher: 2x Samsung 990 Evo Plus M.2
Szenerie dankenswerterweise von Lisium Design, kostenfrei zu Verfügung gestellt. Getestet wurde Version 1.0.0.

Auf dem Vorfeld wirkt es schon recht trostlos, ein paar animierte Busse oder Gepäckfahrzeuge hätte es wenigstens etwas lebendiger wirken lassen.
Kann ich nachvollziehen, das Problem auf dem Airport ist, gerade auf dem Main Apron, gibt es halt keine festgelegten Fahrstraßen, das heißt, der Verkehr würde wild über die Ein- und Ausrollwege sowie die Positionen rollen.
Das ist alles andere als optimal.
Sehr schönes Review!
Nach dem gut geschriebenen Review werde ich mir den Platz kaufen. Ich finde es gut wenn das Flair der Gegend rüberkommt. Einziges Manko: Ist für meine Flugzeiten etwas weit weg von Deutschland aber man kann ja auch woanders loslegen.