
Es gibt diese Momente im Simulator, in denen man sehr genau weiß, warum man das hier eigentlich macht. Meistens ist es dann 23:48 Uhr, der Flug läuft seit zwei Stunden stabil, man hat gefunkt, chart studiert und ist mental schon beim Top of Descent – und dann blinkt plötzlich irgendetwas Gelbes auf dem ECAM – egal ob Team ToLiss oder Fenix. Spätestens dann trennt sich die Simmer-Spreu vom QRH-Weizen. Oder anders gesagt: Wer jetzt anfängt, irgendwo auf der Festplatte nach einem komisch benannten PDF zu kramen, weiß, dass das Konzept „Workflow“ eher theoretischer Natur war. Und wer will so spät am Abend noch Stress?
MEL-Logik in Airline-Optik
Genau hier setzt simREF an. Die iPad-App von Chris-Luca Fischer versteht sich nicht als weitere lose Checklistensammlung, sondern als ernst gemeinter Versuch, die Airbus-typische Dokumenten- und Arbeitslogik in die Flugsimulation zu bringen – inklusive Normal Checklists, Abnormal Procedures, MEL-Logik, OPS-Infos und Operator-Spezifika. Kein Marketingversprechen von simulierter „Real Aviation“, sondern ein Werkzeug für Leute, die zumindest so tun wollen, als würden sie wissen, was sie da gerade fliegen. Also den typischen Simmer, hehe.

SimREF ist ein elektronisches QRH für die A320-Familie, entwickelt explizit für Desktop-Flugsimulation. Die App läuft ausschließlich auf dem iPad und deckt sowohl CEO als auch NEO ab, mit LEAP-, PW-, IAE- oder CFM-Triebwerken – unabhängig davon, ob man im MSFS oder in X-Plane unterwegs ist.
Simulierte Belastung einfach gemacht
Das Grundprinzip ist schnell verstanden: Statt PDFs, Screenshots und halbgaren Notizen bündelt simREF alles, was man im virtuellen Cockpit an strukturierter Referenz braucht, in einer klar gegliederten Oberfläche. Die Reiter ABN, SOP, OPS, OEB und C/L sorgen dafür, dass man auch unter „simulierter Belastung“ nicht erst lange scrollen oder suchen muss.

Ein echtes Highlight – und gleichzeitig der Punkt, an dem simREF klar über die typische „Checklist-App“ hinausgeht – sind die operator-spezifischen Profile. Neben einer soliden Airbus-Baseline stehen aktuell 16 Airline-Profile zur Verfügung, darunter British Airways, Lufthansa, easyJet, Wizz Air oder Air France.
simREF: Flugzeugtypen wie Unterwäsche wechseln
Geil: Denn wer einmal eine BA-Checklist bewusst durchgegangen ist, weiß: Das ist nicht nur Kosmetik. Reihenfolgen, Wortlaut, Logik – das fühlt sich bei Nigel tatsächlich anders an. Und genau hier spielt simREF seine Stärke aus. Das ist nicht „ein bisschen angepasst“, sondern erkennbar mit Blick auf reale SOP-Strukturen umgesetzt. Und bock dafür voll. Denn wir Simmer wechseln ja gerne Flugzeugtypen wie Unterwäsche, und Airlines nach A Pilot’s Life-Anstellung oder Tagesform.

Hand aufs Herz: Die meisten von uns fliegen Failures entweder gar nicht – oder nur dann, wenn sie vorher genau wissen, was gleich passiert. Trotzdem beruhigt es ungemein, ein funktionierendes Abnormal-System griffbereit zu haben. Vor allem ich liebe es, mich von ToLiss regelmäßig überraschen zu lassen. simREF verknüpft ECAM-basierte Abnormal Procedures sauber mit weiterführenden Infos, ergänzt um MEL-Bezüge, OPS-Hinweise und OEBs. Sprich: Haste ein Problem, kannste dir mit SimREF helfen.
Natürlich Simulation only!
Und ja: Es ist ausgesprochen angenehm, im virtuellen Notfall nicht mehr auf dubiosen Downloadseiten nach uralten QRHs „aus eher exotischen Regionen“ suchen zu müssen. Natürlich ist hier allles klar als Simulation Only gedacht – aber eben sinnvoll strukturiert und eine gute Mische für nen guten Realism-Mix.

Die Anbindung an SimBrief ist vorhanden und funktioniert zuverlässig. simREF erkennt Flugzeugtyp und Airline automatisch – mehr aber auch nicht. Ein vollständiges OFP oder gar eine Chart-Darstellung sucht man vergeblich. Das ist einerseits ein kleiner Wermutstropfen, andererseits erstaunlich realistisch: Auch im echten Cockpit wird zwischen verschiedenen Apps und Systemen gewechselt. Und seien wir ehrlich – Multitasking auf dem iPad ist nun wirklich kein Hexenwerk. Und kleine Sidenote: Gerade bei der Simulation einer großen Airline aus Frankfurt unterscheiden sich die Inhalte der App sogar danach, welches Flugzeug ihr gerade nutzt. Also auf die Registry, das Kennzeichen gemünzt. Sweet!
Die Oberfläche ist modern, touch-optimiert und angenehm schnell. Wer regelmäßig Cockpit-Videos schaut, erkennt die Inspirationsquellen sofort – ohne dass es plump kopiert wirkt. simREF versucht gar nicht erst, kreativ neu zu erfinden, was sich in der Realität bewährt hat. Und das ist vermutlich die klügste Designentscheidung der ganzen App. Bookmarks, klare Hierarchien und kurze Wege sorgen dafür, dass man nicht ständig aus dem Flow gerissen wird. Genau so soll das sein.
Apple only
Jetzt ist natürlich die Frage, was kostet der Lachs? Mit 10 Euro Einmalpreis ist simREF fair bepreist. Ich hätte mir sicher auch für die Rezension eine Review-Copy erschnorren können, aber habe die App gekauft. Keine Abos, keine Feature-Stufen, kein „Pro-Unlock“, kein Premium-Deluxe-Lifetime-Abo. Das ist nice. Denn 10 Euro sind 1,5 Döner. Ja Kinder. Früher waren das fast drei Döner. Aber okay, ich schweife ab. Auf jeden Fall ist es ein absolut fairer Preis für eine App, in die echt viel Nerdism und Arbeit geflossen ist. Ach ja, einziger Haken vielleicht: iPad only. Weder Android noch Desktop sind geplant. Aber ganz ehrlich: In welchem Cockpit werden eigentlich Android-Tablets ans Fenster gepfropft? Eben. Ekelhaft. Ja ja, hate me.
simREF ist vielleicht keine App für „mal eben schnell fliegen“. Also dann kommt sie wahrscheinlich nicht voll zum Einsatz, außer im Checklist-Reiter. Aber tja, so ist es vielleicht ja auch bei echten Airlines. Denn so viele Failures sind hier auch kein Alltag. SimREF ist eine Dokumenten- und Workflow-App für Nerds, für VA-Piloten, für Homecockpit-Builder – und für alle, die im Simulator zumindest gelegentlich so tun wollen, als wäre es ernst. Es kann auch durchaus Spaß bringen, während des Fluges auch so mal durch die App zu gehen. Und zu sehen, was man hoffentlich nicht anwenden muss, hihi.
Ja, viele werden sie am Ende hauptsächlich für Checklisten nutzen. Ja, Failures bleiben für manche weiterhin ein theoretisches Konzept. Vor allem muss es das Airbus-Add-on ja auch mitbringen. Aber am Ende gilt: Wenn es um 23:48 Uhr plötzlich gelb blinkt, ist man sehr froh, nicht erst PDFs zusammensuchen zu müssen. Und genau dann ist simREF ziemlich genau das, was es sein will. Und wer weiß, vielleicht hat Chris-Luca ja Lust, die App noch auf den A330 oder A340 zu erweitern. Derzeit wird nur die A320-Familie bedient. Dann aber durch alle Varianten und Engine-Typen. Aber das schrieb ich ja schon.
Mehr Infos zur App findet ihr auf der Website von Chris-Luca Fischer. Dort findet ihr auch den Link zum AppStore – oder einfach selbst nach simREF suchen.

Für alle „Hobby-Piloten“ ohne Ausfälle gibt es auch noch das hier: https://drsafak.github.io/Safak/A320_Smart_Checklist/smart.html
Funktioniert auf jedem Tablet oder Browser. Am Ipad einfach auf den Startbildschirm speichern und randlos genießen!
Die Hier vorgestellte App sieht auch toll aus und was sind schon 10€. Vielleicht folgt ja eine Simbrief-Integration, wenn wir ein bissal finanzielle Liebe da lassen!
Simbrief integration ist bereits implementiert
Hi Peter, mein Kommentar war darauf bezogen:
„Ein vollständiges OFP oder gar eine Chart-Darstellung sucht man vergeblich. Das ist einerseits ein kleiner Wermutstropfen, andererseits erstaunlich realistisch: Auch im echten Cockpit wird zwischen verschiedenen Apps und Systemen gewechselt.“
War etwas unpräzise von mir 🙂 Meinte die Einbindung des gesamten OFPs, Maps und ggf. Navigraph!
Endlich ein echtes eQRH! Lider nur Ipad. 🙂
Ich fühle mich absolut ertappt. Das gestresste Gesuche der PDFs hat mich bereits den ein oder anderen random-failure wegdrücken lassen. App gekauft, bin zufrieden.
Jetzt noch in schönem grün – sieht aus wie eine DOS Implementierung von vor 30 Jahren 🙂
(Dieser Kommentar zieht keine Rückschlüsse auf die Qualität oder den Nutzen der Applikation, nur auf das Design).
Yes, stimmt – aber stell dir das in einem wackelnden Cockpit – sorry, am wackelnden Schreibtisch vor. Da ist das eine schöne, minimalistische Haptik für Grobmotoriker. Und das UX findet man so auch in der Realität.
ich durfte mir vor Kurzem ein echtes EFB anschauen und das sieht genauso aus (also dieser Part). Daher lechze ich danach. Finde es aber wirklich schade, fast fatal, dass das iOS only ist, jetzt brauch ich ein iPad, bin mir nicht sicher, ob das nicht für viele ein Hinderungsgrund ist. Aber das Tool ist echt cool.
Mit Ipad kannst Du Dir zum Beispiel auch Skydemon holen, als Real Life VFR Lösung. Mit xmapsy sogar msfs kompatibel.
Wahrscheinlich ist das irgendeine Uralt-Software, die x-mal portiert wurde. wundern würde es mich nicht.
Skydemon für 150€ im Jahr kann man nun wahrlich nicht mit einmaligen 10€ vergleichen. Außerdem ist der anwendungsfall ja ein komplett anderer. Und ob es x-mal operiert wurde, was ich bezweifle, ist mir für den Preis herzlich egal.
ich brauche kein Skydemon für meine Anwendung, habe ein A320 cockpit, da ist eben genau das was SimREF kann ideal, kombiniert mit dem bereits existierenden EFB von Fenix und weiteren Browser Applikationen. Nur muss sich jeder überlegen, der eine Applikation entwickelt, wie viele Leute er damit ein- und ausgrenzt. Und ich finde es halt echt schade, dass das nur auf IOS geht, zumal ich denke, dass besonders diese Funktionen, die hier angeboten werden in der Regel mit einer Browser APP auch umsetzbar sind, die normal Checklists gibt es ja schon, mir geht es wirklich um die Refs und die Abnormals für die ich derzeit noch keine Lösung habe außer PDFs anschauen.
das „original“ sieht leider sehr sehr ähnlich aus!
Ich bin ganz froh, dass ich seit MSFS2024 (integriertes Tablet) mein iPad nicht mehr zum Simmen benutzen muss, und dabei soll es bleiben.
Davon abgesehen sind Failures so selten (wenn es sie überhaupt gibt, meines Wissens nach nur auf Fenix oder FSL, nicht iniBuilds), dass ich in so einem Fall, falls es wirklich dringend scheint und das ECAM mir nicht weiterhilft alleine, einfach Pause mache und in Ruhe die Stelle in der PDF (im Windows Explorer) suche.
P.S.: Gemeint sind random failures, nicht solche, die man gezielt auswählt (die gibt es im A350 zumindest; aber da kann ich dann ja vorher in Ruhe das QRH lesen 🙂 )