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MScenery Add-ons im Marketplace des MSFS
Quelle: https://msfsmarket.place/developer/mscenery/

1.460 Produkte, Bewertungen im Minutentakt, Cockpits, die nur aussahen als würden sie funktionieren – der Fall Mscenery ist die Geschichte eines jahrelangen Systemversagens. Jetzt hat Microsoft die Reißleine gezogen. Ein Präzedenzfall.

Gestern veröffentlichte das Microsoft Flight Simulator-Team eine kurze Mitteilung im offiziellen MSFS-Forum. Der Text war sachlich, die Konsequenz war es nicht: Sämtliche Inhalte des Add-on-Entwicklers Mscenery werden mit sofortiger Wirkung aus dem In-Game-Marketplace für MSFS 2020 und MSFS 2024 entfernt. Kein einzelnes Produkt, kein stiller Rückzug – der gesamte Katalog, auf einen Schlag.

Community-Manager SeedyL3205 nannte drei Gründe: mangelnde Produktqualität, irreführende Beschreibungen und Vorschaubilder sowie Zweifel an der Echtheit der Nutzerbewertungen. Wer die MSFS-Community in den letzten Jahren verfolgt hat, dürfte beim Lesen dieser drei Punkte kaum überrascht gewesen sein.

1.460 Produkte – und kein einziges, das hält, was es verspricht

Das Ausmaß lässt sich beziffern: Laut dem inoffiziellen MSFS-Marketplace-Browser msfsmarket.place hatte Mscenery zum Zeitpunkt der Entfernung exakt 1.460 Add-ons gelistet, nahezu ausschließlich Flugzeuge. Das Angebot umfasste zivile Airliner aller Gewichtsklassen – von der A318 bis zur A380-1000 in diversen Varianten – sowie eine breite Palette militärischer Muster: F-16, Eurofighter Typhoon, Su-57, MiG-29, CH-47 und dutzende weitere. Der Name „Mscenery“ täuscht: Szenerie war nie das Kerngeschäft, tatsächliche Flughafenszenerien finden sich im gesamten Katalog kaum.

Die Preise lagen überwiegend zwischen 9,99 und 19,99 US-Dollar. Wer kaufte, bekam in der Regel wenig dafür.

Das Funktionsniveau dieser Produkte ist seit Jahren dokumentiert. Die früheste auffindbare öffentliche Beschwerde datiert auf März 2021: Ein Forumsmitglied stellte nach dem Kauf des Mscenery FA-18C Hornet fest, dass keinerlei interaktive Cockpit-Funktionalität vorhanden war – keine klickbaren Schalter, keine funktionierenden Bildschirme, keine Avionik –, obwohl die Produktbeschreibung das Gegenteil behauptete. Darüber hinaus identifizierte derselbe Nutzer das 3D-Modell als offenbar auf dem geistigen Eigentum von Dino Cattaneo (IndiaFoxtEcho) basierend.

An diesem grundlegenden Muster änderte sich in den folgenden fünf Jahren nichts. Youtuberin AvAngel dokumentierte laut FSElite kurz vor der Marketplace-Entscheidung in einem ausführlichen Video, was ein Kauf des Mscenery A350 ergab: Das Flugzeug nutzte die Stock-Avionik des originalen Asobo A320neo aus MSFS 2020 – nicht das modernere iniBuilds-System, das für MSFS 2024 lizenziert wurde. Das EFB zeigte ausschließlich die generische VFR-Karte des Simulators. Der Flugcomputer war vollständig inoperabel; eine Flugroute ließ sich nicht eingeben. Transatlantik-Routen, für die ein A350 üblicherweise eingesetzt wird, waren schlicht nicht möglich.

Das Bewertungssystem als Waffe

Dass Produkte dieser Qualität jahrelang im Marketplace verblieben und prominent sichtbar waren, hat einen Grund: Mscenery manipulierte systematisch das Bewertungssystem.

Neue Produkte erreichten unmittelbar nach Veröffentlichung makellose Fünf-Sterne-Wertungen – zurückzuführen auf verdächtigerweise stets exakt 40 Accounts, die in kürzester Zeit abstimmten. Das Muster war in Community-Threads seit Jahren bekannt und belegt. Das Ergebnis: Mscenery-Produkte dominierten die nach Bewertung sortierte Ansicht des Marketplace und verdrängten qualitativ hochwertige Produkte anderer Entwickler aus dem sichtbaren Bereich.

Ein Blick auf msfsmarket.place macht den Mechanismus sichtbar. Die neueren „Enhanced Edition“-Produkte – darunter A380-1000, A340-600, A340-300, A350-900 – weisen allesamt exakt 5,0 von 5 Sternen aus. Bei Entwicklern mit tatsächlich hochwertigen Produkten existiert eine solche Wertung praktisch nie; selbst die besten Add-ons erzielen in der Praxis Werte im Bereich 4,5 bis 4,8.

Ältere Produkte hingegen, bei denen offensichtlich weniger oder gar keine Bewertungsmanipulation stattfand, erzählen eine andere Geschichte: Der A-10 Thunderbolt kommt auf 1,6 von 5 Sternen bei 1.615 Bewertungen – der Wert mit Abstand der meisten organischen Stimmen im Katalog. CH-47: 1,9 von 5. MiG-15: 2,2 von 5. SU-35: 2,1 von 5. Das ist das Bild, das entsteht, wenn echte Käufer urteilen.

Auch die Produktbilder waren Teil der Irreführung. Für mehrere Listings verwendete Mscenery nachweislich KI-generierte oder KI-bearbeitete Vorschaubilder: dramatische Cumulonimbus-Wolkentürme, unrealistische Lichtstimmungen und künstlich geschärfte Texturen, die mit dem tatsächlichen In-Sim-Ergebnis nichts gemein hatten. Die beworbene 8K-Texturauflösung des A350 existierte im Simulator nicht.

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Fake-Wolken: Mit KI bei der Produktinszenierung nachgeholfen

Ein Präzedenzfall – mit offenem Ausgang

Microsofts Reaktion ist in der Geschichte des MSFS-Marketplace ohne Vorbild. Einzelne Produkte wurden zuvor bereits entfernt, etwa infolge von Urheberrechtsstreitigkeiten. Die vollständige Entlistung eines Entwicklers mit seinem gesamten Katalog ist ein anderer Schritt – und er kommt spät. Bereits vor wenigen Wochen hatten Forum-Nutzer öffentlich berichtet, dass Mscenery-Produkte die „Top Rated“-Ansicht des Marketplace beherrschten, nachdem ein vorheriger Versuch Microsofts, manipulierte Bewertungen zu entfernen, offenbar ohne nachhaltige Wirkung geblieben war.

Beachtenswert ist auch ein Hinweis auf eine mögliche zweite Identität: Im Mai 2026 sorgte eine „737-100″-Listung unter einem anderen Entwicklernamen für Aufsehen, die dieselben Merkmale aufwies – KI-generierte Marketingbilder, recycelte Assets, Bewertungen nahe der Höchstpunktzahl. PMDG-Mitgründer Mathijs Kok forderte Microsoft damals öffentlich zur Entfernung des Produkts auf. Die Community vermutet, dass es sich trotz des abweichenden Namens um denselben Urheber handelt. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor.

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Gleiche Inszeneriung, neuer Labelname: Eine 737 von Scenery Creation

Besonderes Gewicht hat die Entscheidung für Konsolenspieler: Für Xbox- und PlayStation-Nutzer ist der In-Game-Marketplace die einzige Möglichkeit, Add-ons zu erwerben. Externe Shops wie SimMarket, Contrail, Aerosoft oder Orbx Direct stehen ihnen nicht zur Verfügung. Qualitätsversagen im Marketplace trifft sie direkt – und ohne Ausweichmöglichkeit.

Der Marketplace-Ausschluss betrifft ausschließlich den In-Sim-Store von Microsoft. Laut Berichten war auch die eigene Website des Entwicklers zum Zeitpunkt der Entscheidung weiter in Betrieb.

Ob die Entfernung Mscenerys ein Einzelfall bleibt oder den Beginn einer systematischeren Qualitätskontrolle im Marketplace markiert, ist offen. Mscenery ist nicht der einzige Entwickler, über den die Community seit Jahren Klage führt – die bekannten Namen Captain Sim und BREDOK3D werden hier auch schon seit Jahren kritisch betrachtet. Die Frage, ob Microsoft transparentere Anforderungen an Produktbilder, Funktionsbeschreibungen und Bewertungsmechanismen einführt, ist bislang unbeantwortet. Genau das wäre die eigentliche Konsequenz aus diesem Fall.

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1 Kommentar
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Ron76
Ron76
21 Sekunden zuvor

Ein absolut korrekter und notwendiger Schritt seitens Microsoft. Jedes Addons sollte vorab durch eine Qualitätskontrolle laufen und bestimmte Anforderungen erfüllen, bevor es im Marketplace aufgenommen und angeboten wird. Dadurch hätten dubiose Entwickler wie Mscenery keine Chance zur Täuschung .
Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

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