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Darf ich vorstellen: T. Iller und B. Leuchtet

Manchmal ist das Leben erfreulich simpel. Eine Achse, ein Knopf, fertig ist die Produktbeschreibung – und trotzdem sitzt man am Ende vor einem Gerät, das einem mehr Steuergefühl in die Fingerspitzen schickt als das gesamte restliche Cockpit zusammen. Der WinCtrl 32 NWS L 1.0, ein Tiller für die Bugradsteuerung, will genau das: das lästige Gefummel mit Pedalausschlägen ersetzen, wenn’s mal um die volle Kurve geht. Und ja, Spoiler vorweg: Er kann das. Aber bevor wir zum Fahrgefühl kommen, lohnt sich ein Blick in den Karton – denn da steckt mehr drin, als man bei „eine Achse, ein Knopf“ erwarten würde.

Der Lieferumfang: Mehr IKEA-Tüte als man denkt

Wer den Karton öffnet, findet neben dem eigentlichen Tiller (Bauteil 1#, wie WinCtrl es nüchtern-technisch nennt) ein Datenkabel (2#) und eine Zubehörtüte, die es in sich hat. Da liegen gleich drei Inbusschlüssel in den Größen 1,5, 3 und 4 Millimeter – für unterschiedliche Schraubenstellen am Gerät, unter anderem für die spätere Widerstandsjustage. Dazu gesellen sich Nutensteine im EU-Standard-2020-Format mit M5-Gewinde, passende Zylinderkopfschrauben M5×30 und, als kleines Sahnehäubchen, eine Packung Nano-Doppelklebepunkte. Ja, ich habe diese Begriffe alle mit KI zusammengesucht. Aber es muss ja auch mal technisch kompetent klingen.

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Der Kaffee war nicht dabei. Schwach.

Das liest sich erst mal wie das Kleingedruckte einer Möbelbauanleitung, ergibt aber Sinn, sobald man begreift, dass WinCtrl hier nicht nur ein Gerät verkauft, sondern ein ganzes kleines Befestigungs-Ökosystem mitliefert. Die Nutensteine und Schrauben sind fürs Anschrauben an ein Aluprofil-Rig gedacht, falls man so etwas besitzt oder sich zulegen will. Die Klebepunkte sind für alle, die schlicht einen Schreibtisch haben und keine Lust auf Rig-Gedöns. Und die drei Inbusschlüssel decken praktisch jede Schraubarbeit ab, die im weiteren Produktleben noch anfallen könnte – von der Montage bis zur Feinjustage des Rückstellwiderstands.

Was fehlt, ist ironischerweise genau das, was man für die naheliegendste Anwendung bräuchte: eine simple, im Lieferumfang enthaltene Tischklemme. Dazu gleich mehr, denn das ist tatsächlich der wunde Punkt des ganzen Pakets.

Technische Daten und erster Eindruck

Der Tiller misst kompakte 145 × 135 × 127 Millimeter und bringt 0,92 Kilogramm auf die Waage. Morgens nachm Wasserlassen. Da soll man ja wiegen. Handlich genug für jeden Schreibtisch, schwer genug, um nicht bei jedem beherzten Ausschlag über die Tischplatte zu rutschen (jedenfalls in der Theorie, dazu ebenfalls gleich mehr). Der Drehwinkel beträgt satte ±75 Grad, der Disconnect-Knopf in der Griffmitte hat einen Tastenweg von 3 Millimetern (als nichts) und ist, so das Handbuch mit spürbarem Ernst, mit einem „precision electronic switch“ ausgestattet, den man nicht mit roher Gewalt malträtieren soll. Keine Sorge, liebe Grobmotoriker unter uns: Bei 30 Newton Belastungsgrenze müsste man schon wirklich wütend auf das Bugrad sein.

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Push and hit the Button: Quizshow-Haptik zentral aufm Tiller

Die Einrichtung selbst ist – Achtung, Ironie folgt – herausfordernd komplex: USB-C-Kabel rein, fertig. SimApp-Pro macht dann die Firmware-Updates. Was man aber bei so einem primtiven Konstrukt updaten will, kann ich nicht beantworten. Bei einer Achse und einem Knopf sollte einen das jetzt auch nicht überraschen, aber man muss es ja trotzdem mal sagen dürfen, bevor die Konkurrenz wieder Konfigurationsassistenten mit sieben Untermenüs baut, nur damit’s wichtig aussieht.

Das Gehäuse selbst: nun ja. Es wirkt ein bisschen so, als hätte man das Budget komplett in den Griff gesteckt und den Rest der Kiste aus dem, was übrig war, zusammengeschraubt. Muss man nicht schönreden – aber irgendwo muss der attraktive Preis ja herkommen, und ich vermute stark, dass genau hier gespart wurde. Ehrlich gesagt: fairer Deal. Wichtig für die Transparenz: Mir wurde der Tiller kostenlos von WinCtrl zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich aufrichtig für diese kontinent-übgreifende Wohltat hat meine Hardwareschlacht bei Airbusfliegen gut erweitert.

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Innen liegt die Kraft: LKW-Feeling oder Bobby-Car? Hier stelle ihr den Widerstand ein.

Der Griff dagegen ist eine andere Geschichte. Gut verarbeitet, mit angenehmem Gewicht, liegt geschmeidig in der Hand – wie ein Türgriff, der weiß, dass er öfter angefasst wird als der Rest des Hauses. Griff an/ins Klo? Die Hintergrundbeleuchtung tut, was sie soll, solide und ohne Überraschungen, ganz wie man es von WinCtrl mittlerweile erwartet. Keine Revolution, aber verlässlich – und das ist bei Hardware, die man stundenlang anfasst, mehr wert als jeder RGB-Schnickschnack.

Am Boden lassen sich über die bereits erwähnten Inbusschrauben Widerstand und Rückstellgeschwindigkeit justieren: im Uhrzeigersinn angezogen wird die Rückstellung langsamer, gegen den Uhrzeigersinn gelöst schneller. Im Werksmodus fand ich die Abstimmung bereits erstaunlich stimmig – man könnte fast meinen, da hat jemand tatsächlich mal selbst geflogen, bevor er das Ding designt hat.

Das große Aber: Befestigung

Und jetzt kommen wir zum Elefanten auf dem Schreibtisch: Wie befestigt man den Kasten eigentlich im Alltag? Vor allem, wenn man den Schreibtisch noch für andere Simulations- und Home-Office-Zwecke umbauen will? Offiziell gibt es drei Wege, wie das Handbuch stolz auflistet: die Nano-Klebepunkte für die Direktmontage auf der Tischplatte, den optionalen Tischhalter MT.MET.1 (separat zu kaufen) oder die Montage auf einem EU-Standard-2020-Aluprofil-Rig (ebenfalls separat, samt eigenem Nutensteinen und Schrauben, die man teilweise sogar schon in der Zubehörtüte findet). Alles sauber dokumentiert, alles technisch durchdacht – nur eben nichts davon ist eine schnelle Zwischenlösung für alle, die weder Rig noch Klebelust haben.

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Not macht erfinderisch.

Ich habe stattdessen ein bis zwei Schraubzwingen aus dem Baumarkt bemüht und den Tiller notdürftig an die Tischkante geballert. Funktioniert – im Sinne von „hält gerade so“ –, ist aber keine Lösung, die ich guten Gewissens weiterempfehlen möchte. Der Tiller ist, sagen wir es diplomatisch, nichts für Grobmotoriker im Umgang mit wackeliger Hardware. Er braucht eine stabile, verschraubte Grundlage, sonst wandert er beim ersten beherzten Vollausschlag gefühlt einen halben Meter über den Tisch. Wer also nicht ohnehin schon ein Rig besitzt, sollte den Tischhalter seiner Wahl direkt mitbestellen – der Lieferumfang legt einem das mit seinen ganzen Schrauben und Nutensteinen ja quasi schon nahe.

Ach ja: Der Disconnect-Knopf obendrauf: hartes Plastik, das nach jedem Druck stur und zuverlässig in seine Ausgangsposition zurückschnappt. Auch das: nichts für Feingeister, aber genau richtig für Piloten, die im Eifer des Gefechts eher drücken als drücken und dabei streicheln.

Hier mal eine in Bewegtbild gepackte Misshandlung. Bitte zuhause nicht nachmachen.

Und wie fährt’s sich?

Hier wird’s ernst, im positiven Sinne. Das Rollen im Sim ist tatsächlich ein Traum. Wer wie ich bisher nie einen echten Tiller im Einsatz hatte und sich stattdessen mit der Yaw-Achse der Pedale durch die Kurven gequält hat, merkt sofort den Unterschied: Der volle Lenkeinschlag lässt sich mit dem Tiller einfach entspannter halten, während man bei reinem Pedaldurchdrücken irgendwann anfängt, sich selbst zu verrenken. Das Kurvenrollen wird spürbar gefühlvoller – kein Vergleich. Gerade bei Heavies bockt es unheimlich mit dem Einhandlenkrad auf dem Turnpad die Kür zu tanzen: Die Felis macht dabei genaus so fein ihren Oneighty wie die Tristar von iniBuilds. Am Ende müsst ihr nur die Achse kurz zuordnen. Ihr könnt auch die Cessna tillern, wenn ihr Bock habt.

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Fazit

Für den Preis ist das Ding ein echter No-Brainer. Solide verarbeiteter Griff, ordentliche Beleuchtung, stimmiger Werks-Widerstand, USB-C-Anschluss inklusive Kabel, und dazu ein Zubehörpaket, das ehrlich mehr mitdenkt als man bei diesem Preis erwarten würde. Einzige Hausaufgabe, die WinCtrl den Kund:innen mit auf den Weg gibt: Kümmert euch von Anfang an um eine vernünftige, feste Befestigung – am besten gleich den Tischhalter mitbestellen. Oder den ganzen Tisch. Oder das Zimmer. Oder die Wohnung. Schraubzwinge ist ein Notbehelf, kein Konzept. Wer das beherzigt, bekommt einen Tiller, der in praktisch jedem Sim funktioniert und das Rollen am Boden von lästiger Pflicht zu echtem Vergnügen macht! Gut gemacht, WinCtrl. Vor allem muss ich sagen: Vor einem Jahr hatte ich den Prototyp in Lelystand in der Hand. Er war viel zu leicht und unsolide. Hier hat WinCtrl also nochmal nach Feedback am Stand nachgebessert. Very nice.

Übrigens. Den Tiller gibt auch für Rechts und Copiloten. Wenn ihr eine Review dafür wollt, einfach diesen Text einmal spiegeln. Gern geschehen.

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1 Kommentar
Bewertung
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Thomas
Thomas
11 Minuten zuvor

Haha, das Review ist wieder „Julius-Style“🤣 oder war das gar eine Glosse?🤔🤪
Ich bin mir noch nicht sicher ob ich den Tiller wirklich brauche.🤔 Die Dreh-Achse vom ThrustmasterAirbusStick tut es für mich auch. Aber wer weiß…😉

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