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Als Microsoft 2023 das World Update 14 für Mittel- und Osteuropa veröffentlichte, suchten polnische Simmer ihr Land vergeblich auf der Liste. Tschechien, Ungarn und die Slowakei waren dabei, Polen und das Baltikum nicht. Drei Jahre später ist die Lücke geschlossen: Seit dem 26. Oktober steht World Update 23: Poland and the Baltics zum Download bereit – kostenlos, für MSFS 2020 und MSFS 2024, auf PC, Xbox, PlayStation 5 und in der Cloud.

Ursprünglich war das Update laut Roadmap für September geplant, im Developer-Stream nannte Jörg Neumann zuletzt den 27. Oktober – unter Vorbehalt. Gekommen ist es nun einen Tag früher. Eine Veröffentlichung vor dem angekündigten Termin kommt in dieser Branche ungefähr so oft vor wie eine Kabinendurchsage, die man auf Anhieb versteht.

Zwölf Gebiete, elf Namen

Kern des Updates sind zwölf Gebiete mit neuer Photogrammetrie, TIN-Oberflächentexturen und frischen Höhendaten, umgesetzt mit Bing, Asobo und Gaya. Acht davon sollen in Polen liegen, zwei in Litauen, je eines in Lettland und Estland:

  • Polen: Warschau, Krakau, Danzig, Breslau, Posen, Lodz, Kattowitz
  • Litauen: Vilnius, Kaunas
  • Lettland: Riga
  • Estland: Tallinn

Wer mitgezählt hat, kommt auf elf. Welche achte polnische Stadt gemeint ist, verrät Microsoft nicht. Wir halten die Augen offen – notfalls von oben.

Dazu kommen 77 Points of Interest mit deutlichem Hang zu Backstein, Leuchtfeuer und Ostsee. Polen steuert unter anderem die Marienburg in Malbork bei, die größte Backsteinburg der Welt, und die Seebrücke von Sopot, Europas längste aus Holz. Im Baltikum warten die Wasserburg Trakai, Schloss Rundāle („Versailles des Baltikums“), der Rigaer Fernsehturm als höchster Turm der EU und der Leuchtturm von Kõpu – laut Microsoft der drittälteste durchgehend betriebene der Welt. Kurz: VFR-Material für mehrere Wochenenden.

Fünf Flugplätze – und kein Hub

Handgebaut hat Gaya fünf Plätze, Polen bekommt zwei:

  • Kärdla (EEKA), Estland – einziger Flughafen der Insel Hiiumaa
  • Jūrmala (EVJA), Lettland – in den 1930ern gebaut, zu Sowjetzeiten Atomwaffenbunker, heute Museum und Heimat der Kunstflugstaffel Baltic Bees
  • Palanga (EYPA), Litauen – drittgrößter Flughafen des Landes, Tor zur Ostseeküste
  • Warschau-Babice (EPBC), Polen – GA- und Schulungsplatz mitten im Stadtgebiet
  • Opole-Kamień Śląski (EPKN), Polen – früherer Militärflugplatz, heute mit Rennstrecke und Porsche Experience Center

Was fehlt, fällt auf: Warschau-Chopin, Krakau, Riga, Vilnius, Tallinn – keiner der großen Verkehrsflughäfen gehört zum Paket. Das Update ist erkennbar für Sichtflug und Allgemeine Luftfahrt gebaut. Wer mit dem Airliner anreist, bleibt auf das angewiesen, was Sim und Drittanbieter ohnehin bieten.

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Landen auf der Seebrücke

MSFS 2024 bekommt drei Discovery Flights (Warschau, Sigulda, Tallinn) und vier Präzisionslandungen: Citation CJ4 nach Kärdla, A310 nach Jūrmala, A320neo nach Palanga, King Air 350i nach Opole. Dazu eine Rallye und eine geführte Tour durch den Tatra-Nationalpark, für die das Team laut Neumann teilweise Skript und Route eines echten polnischen Tourenanbieters übernommen hat.

Highlight ist die Sopot Landing Challenge: Sie stellt die Aktion von Red-Bull-Air-Race-Pilot Łukasz Czepiela nach, der eine modifizierte STOL-Maschine von CubCrafters auf der Seebrücke aufsetzte. Wichtigste Kennzahl dürfte hier nicht die Sinkrate sein, sondern die Frage, ob man trocken bleibt.

MSFS 2020 erhält die Discovery Flights und die vier Landing Challenges. Seebrücke, Tatra-Tour und Rallye bleiben dem 2024er vorbehalten.

Local Legend 26: Absage aus Mielec, Flugzeug aus Mielec

Zeitgleich erscheint Local Legend 26, die Antonov An-28. Dass es eine Antonov wurde, hat eine Vorgeschichte: Im September-Stream erzählte Neumann, man habe für das Polen-Update eigentlich ein polnisches Flugzeug lizenzieren wollen. Der größte polnische Hersteller sei jedoch an Lockheed gebunden – und Lockheed habe abgelehnt. Einen Namen nannte Neumann nicht, die Beschreibung passt aber nur auf PZL Mielec, das über Sikorsky zu Lockheed Martin gehört.

Und hier wird es hübsch: Die Serienfertigung der An-28 wanderte 1978 von Antonov nach – Mielec. Die erste dort gebaute Serienmaschine flog 1984, danach war das Werk alleiniger Hersteller. 1993 entwickelte PZL daraus die M28 Skytruck, deren Militärvariante Bryza bis heute bei polnischer Luftwaffe und Marine fliegt. Microsoft hat also eine Absage aus Mielec bekommen und trotzdem ein Flugzeug aus Mielec geliefert. Nur eben mit Antonov auf dem Typenschild.

Die Wurzeln reichen weiter zurück: Mitte der 1960er wünschte sich Aeroflot einen kleinen Kurzstrecken-Zubringer. Antonov nahm die kolbengetriebene An-14 als Basis, hängte Turboprops an die Flächen und ließ die so entstandene An-14A 1969 fliegen. Der erste eigenständige An-28-Prototyp folgte am 29. Januar 1973. Laut Microsoft entstanden bis 1993 insgesamt 191 Exemplare – als Zubringer, Frachter, Ambulanzflugzeug, Truppentransporter und Vermessungsplattform.

Ehrlich von Hand

Die Sim-Umsetzung stammt von AT Simulations, bekannt für die An-2. Im Stream zeigte Entwickler Andrei zwölf Lackierungen aus den 1970er- und 80er-Jahren sowie vier Kabinen- und Cockpit-Konfigurationen: Fracht, Passagiere, Ambulanz, Fallschirmspringer. Zu den Details gehören Notumformer, die beim Bodenstart die Kraftstoffanzeigen versorgen, und Vorflügel, die bei hohem Anstellwinkel rein aerodynamisch ausfahren.

Einen Autopiloten gibt es nicht – weil das Original auch keinen hatte. Konsequent, und ein ehrlicher Hinweis für alle, die auf Überlandflügen gern mal Kaffee holen. Offen ist die Beschriftung: Zum Stream war das Cockpit russisch beschriftet, eine englische Variante war angekündigt. Die Release-Meldung schweigt dazu, die Screenshots zeigen Kyrillisch. Wer kein Russisch liest, wirft vor dem Kauf besser einen Blick auf die Marketplace-Seite.

Technische Daten (laut Microsoft)

  • Besatzung 2, bis zu 17 Passagiere oder rund 1,8 t Fracht
  • 2 × Glushenkov TVD-10B mit je 960 shp, Dreiblattpropeller
  • Spannweite 22,07 m, Länge 13,1 m, Höhe 4,9 m
  • Reisegeschwindigkeit ca. 190 kt, Reichweite ca. 740 NM
  • Dienstgipfelhöhe 19.685 ft, maximale Steigrate 1.640 ft/min
  • Startrollstrecke ca. 410 m, Landerollstrecke ca. 315 m

Wer sich über die krummen Werte wundert: 19.685 Fuß sind exakt 6.000 Meter, 1.640 Fuß pro Minute ziemlich genau 500 Meter. Die An-28 wurde in Metern gedacht, Redmond rechnet zurück.

Die An-28 ist ab sofort für 14,99 US-Dollar im In-Sim-Marketplace erhältlich.

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1 Kommentar
Bewertung
Neuster Ältester
Michael S.
Michael S.
18 Minuten zuvor

Sehr cool. Dass sowas in der aktuellen politischen Lage noch möglich ist ist das eigentliche Wunder.

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