
Wer eine Boeing 737 im heimischen Cockpit möglichst realistisch bedienen möchte, kommt früher oder später an einem Overhead-Panel nicht vorbei. Während Schubhebel und MCP mittlerweile von zahlreichen Herstellern angeboten werden, bleibt das Overhead einer der schwierigsten und teuersten Bausteine im Homecockpit.
Rowsfire ist im Bereich Flight-Sim-Hardware kein unbekannter Name mehr. Nach den Airbus orientierten A107-Produkten (wir berichteten hier) wagt der Hersteller nun den Schritt in die Boeing-Welt. Das Ziel: ein bezahlbares 737-Overhead, dasmit dem Microsoft Flight Simulator und X-Plane funktioniert, kompatibel seien Add-ons wie die PMDG 737, iFly 737 MAX oder die Zibo Mod
Mit dem B107 möchte Rowsfire genau diese Lücke schließen. Das Panel verspricht nahezu vollständige Kontrolle über die wichtigsten Systeme der Boeing 737 und richtet sich sowohl an ambitionierte Desktop-Piloten als auch an Homecockpit-Bauer. Doch kann das 659 US-Dollar teure Gerät die hohen Erwartungen erfüllen? Wir haben dankend ein Panel von Rowsfire zur Verfügung gestellt bekommen und uns das Gerät genau angeschaut.
Lieferumfang und erster Eindruck
Bereits beim Auspacken fällt das hohe Gewicht auf. Mit knapp 2,8 Kilogramm wirkt das B107 zunächst wertig und robust. Im Karton befinden sich neben dem Panel ein USB-Kabel, verschiedene Schutzabdeckungen sowie eine kurze Anleitung.



Installation
Positiv überrascht die aktuelle Rowsfire-Software. Während frühere Produkte stark auf MobiFlight-Konfigurationen angewiesen waren, gelingt die Inbetriebnahme heute deutlich unkomplizierter als vorher, ist aber immernoch mit Vorsicht zu genießen.


Nach dem Anschluss per USB-C wird das Gerät schnell erkannt. Unterstützt werden unter anderem Microsoft Flight Simulator 2020, Microsoft Flight Simulator 2024 sowie X-Plane 12. Besonders erfreulich: PMDG 737, iFly 737 MAX und die Zibo 737 werden offiziell unterstützt. Der Installationsprozess ist allerdings etwas kompliziert.
So muss man erstmal herausfinden, an welchem COM Port eures Computers das Panel angeschlossen ist, da erst die passende Firmware auf dem Gerät installiert werden muss daher sollte man sich bewusst sein: Das B107 bleibt ein Produkt für ambitionierte Simmer. Wer keinerlei Erfahrung mit MobiFlight, FSUIPC oder Simulator-Schnittstellen besitzt, wird vermutlich etwas Einarbeitungszeit investieren müssen.
Verarbeitung
Hier beginnt der Bereich, in dem das B107 nicht durchgehend überzeugen kann.
Das Gehäuse besteht aus Metall und vermittelt Stabilität. Viele Schalter und Drehregler wirken dagegen weniger hochwertig als erwartet. Einige Bedienelemente besitzen spürbares Spiel, wodurch das ansonsten überzeugende Gesamtbild etwas leidet. Auch die Schutzkappen wichtiger Schalter bestehen aus Kunststoff statt Metall. Die Regler zum einstellen der FLT ALT und LAND ALT sind 3D gedruckt, man sieht stark die typische Druckschicht wodurch ein billiges Gefühl übermittelt wird. Der Cross-Feed Switch ist ebenfalls 3D gedruckt.

Aufmerksam muss man ebenfalls werden, wenn man das Panel per VESA-Halterung anbringen möchte, hier gilt es unbedingt zu beachten, dass die Schrauben mit denen das Panel befestigt wird nicht länger als 10mm sind und mit Unterlegscheiben unterlegt werden müssen, da es sonst zu Isolationsproblemen kommt, wobei zB der linke Probe Heat Switch dann nicht mehr funktioniert.

Im direkten Vergleich zu deutlich teureren Lösungen von Cockpit-Master oder Skalarki wird klar, dass Rowsfire vor allem über den Preis und nicht über kompromisslose Premium-Qualität konkurriert.
Optisch macht das Overhead einiges her. Die Beschriftungen sind gut lesbar, die integrierte Beleuchtung sorgt insbesondere in dunklen Simulationsumgebungen für eine authentische Atmosphäre allerdings sieht man auch hier einige Schwächen. Am Gehäuserand scheint die Beleuchtung stark durch, hier hätte man mit einfachen Mitteln eine Isolierung schaffen können.Ebenfalls sind sie Orangen Announciator Lights wie Fuel Pumps, HYD Pumps etc sehr dunkel und vor allem in hellen Räumen schlecht zu erkennen.
Das Aussehen als solches jedoch orientiert sich stark am Original und vermittelt sofort das Gefühl eines „echten“ Boeing 737 Overheads




Funktionen im Simulator
Im täglichen Einsatz zeigt das B107 seine eigentliche Stärke.
Mit insgesamt 58 Schaltern, mehreren Schutzabdeckungen und zahlreichen Drehreglern deckt das Panel einen großen Teil der Boeing-737-Systeme ab. Fuel Pumps, Electrical, Hydraulics, Pressurization, Anti-Ice und viele weitere Funktionen lassen sich direkt bedienen. Die Schutzkappe für EMER EXIT LIGHT führt beim herunterkippen dazu, dass diese in die ON Position gehen, nicht wie üblich in die ARMED Position.
Ein echtes Highlight ist die EGT-Anzeige, die Werte aus dem Simulator in Echtzeit darstellt und dem Panel zusätzlichen Realismus verleiht.
Für wen eignet sich das B107?
Das B107 richtet sich klar an Simmer, die regelmäßig Boeing 737 fliegen und den nächsten Schritt Richtung Homecockpit gehen möchten.
Wer gelegentlich einen Linienflug absolviert, wird die Investition kaum rechtfertigen können. Wer dagegen hunderte Stunden in der PMDG 737 verbringt und möglichst viele Systeme physisch bedienen möchte, erhält ein Produkt, das derzeit nur wenige direkte Konkurrenten besitzt.
Gerade im mittleren Preissegment existieren kaum vergleichbare Komplettlösungen.
Fazit
Das Rowsfire B107 ist ein spannendes Produkt in einem Marktsegment, das bislang nur wenige Hersteller bedienen. Die große Anzahl an Funktionen, die gelungene Beleuchtung und die breite Simulator-Kompatibilität sprechen klar für das Gerät.
Gleichzeitig verhindert die nicht immer überzeugende Verarbeitungsqualität den Sprung in die absolute Spitzenklasse. Einige Schalter wirken weniger hochwertig als es der Preis vermuten lässt, und vereinzelte Qualitätsprobleme werfen Fragen zur Endkontrolle auf.
Positiv
- Umfangreiche Nachbildung des 737-Overheads
- Gute Softwarelösung und einfache Einrichtung
- Stimmige Hintergrundbeleuchtung
- Hohe Immersion im Simulator
- Unterstützung für PMDG, iFly und Zibo
Negativ
– Schalter teilweise mit spürbarem Spiel
– Kunststoffelemente an kritischen Stellen
– Hoher Anschaffungspreis
– Berichte über einzelne Hardwareprobleme
Bewertung
Verarbeitung: 6/10
Funktionsumfang: 9/10
Software: 7/10
Preis-Leistung: 6/10
Gesamtwertung: 7/10
Das Rowsfire B107 ist kein perfektes Overhead-Panel – aber derzeit eine der interessantesten Möglichkeiten, eine Boeing 737 im Homecockpit deutlich realistischer zu erleben. Für engagierte 737-Piloten ist es daher trotz seiner Schwächen einen genaueren Blick wert.

Also ich bin ziemlich happy mit meinem OHP. So etwas habe ich schon lange gewollt, war aber nicht bereit, ein Monatsgehalt dafür auszugeben. Auch wenn es die Einzelteile möglicherweise in China im Supermarkt gibt, würde mich der Flug dorthin ja auch einiges kosten. Und wenn die Elektronik relativ einfach zu machen ist, sollte vielleicht jemand in Deutschland mal mit der Produktion beginnen …
Ich bin seit Beginn der MS-Flugsimulation dabei und trotz allen Strebens nach Authenitzität möchte ich auf dem Boden bleiben, denn ich „simuliere“ ja nur. Ich (und ich spreche hier nur für mich) kann mit ein paar Spritzgussschaltern gut leben. Das Feeling der meisten anderen Schalter ist klasse und das (zugegeben nicht vollständig authentische) OH-Panel ist ein gewaltiger Sprung nach vorne. Es wird sicher Nachbesserungen in der nächsten Version geben, aber darauf wollte ich nicht warten. So wie damals als ein Kollege meinte, man solle sich ja keinen 20286 Prozessor kaufen, denn es gebe ja sicher bald den 386er. Und dann den 486. Und dann den nächsten … Irgendwann muss man halt einfach anfangen, auch wenn ich nicht vorhabe, mir sofort die nächste Version des OHP anzuschaffen.
Ich bin jedenfalls voll zufrieden und habe auch bei keinem anderen Hersteller so einen schnellen und reaktiven Support erlebt. Ich hatte anfangs eine „verkehrte“ Schalterstellung bzw. -bewegung und mangelnde Funktionalität bei einigen PMDG-Modellen gemeldet und schwupps waren die in der nächsten Woche im Software-Update berücksichtigt, nachdem man sich zuvor höflich bedankt hatte. Ich habe auch gerne die Verzögerung bei der Auslieferung in Kauf genommen, denn dafür habe ich ein OHP bekommen, bei dem die APU-Gauge eingebaut war. Klar kann man jetzt mokieren, dass dafür der linke Wiper-Butten fehlt – aber da dieser ohnehin Spritzguss gewesen wäre, ist mit die Anzeige lieber ;-).
Kurz: nach China fliegen will ich nicht, um ein paar Schalter oder Platinen billiger zu kaufen. Panels aus Kunststoff gießen ist mir ebenfalls nicht möglich. Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als direkt bei Rowsfire zu bestellen, Und Freude an diesem Produkt zu haben.
Ich bin der Überzeugung das wir, oder halt ich, von zu hohen Preisen abgesumpft sind.
Denn ein Produkt für über 600 Dollar Netto das dann selfmade 3D gedruckten Drehregler daher kommt sollte nicht gekauft werden.
Rechnet einfach mal aus wie lange Ihr selbst für 600 Dollar arbeitet und was für Qualität ihr in dieser Zeit abliefert.
Im Podcast wurde über den Preis des Overhead vom Airbus diskutiert – und für einen Schalter mal so 0.26 Cent veranschlagt, ich würde dies mit 0.07 Cent Kontern in China. Du kannst solche Schalter und Platinen nicht wie bei uns in Mengen sondern auch im „Supermarkt“ (ja das gibt es dort) kaufen – die Kosten NIX.
Dann muss du nur das Panel aus Kunsthof Giesen und das monieren lassen.
Ich tippe mal auf einen Herstellungspreis von 50-60 Dollar – denn an der Montage wird eine Person so 3h sitzen und diese verdient dann so 3-5 Euro in der Stunde (30-45 RMB Pro Stunde, 300-600RMB im Monat).
Einfach mal aus Kunstoff gießen ist gut gesagt aber in der Realtät braucht es dafür auch erstmal eine Spritzgussform. Ich kenne die Preise aus dem Gussbereich für Aluminium, da sind 20.000 bis 40.000€ schnell erreicht. So ein Overhead wird sicher nicht in Sehr hohen Stückzahlen produziert. Dasselbe gilt für die Drehknöpfe. Solange man das Druckbild nur unten hat ist es ok denke ich.
Ich habe mir ein 737 Overhead selber gezeichnet, gedruckt, und verkabelt. Programmiert ist alles mit mobiflight. Allein die Planung hat Wochen gedauert. Manche Sachen wie Anzeigen für EGT Temp und Kabinendruck habe ich als Dummy angeführt. 50 m Kabel verlegt.
Alle Komponenten aus China besorgt.
Also: Wem das zu teuer wird kann es sellber billiger machen aber nach einer Weile sieht man dass es eben nicht einfach mit Einem Guss erledigt ist.
Aber es macht extrem Spass!
Danke für das Review!
Konnte das Overhead ja in Lelystadt schon berühren und bin an sich vom Funktionsumfang schon angetan.
Da ich Airbusmanager (hab bewusst auf Pilot verzichtet), bin ich aber mal auf die kommende A320 Overheadumsetzung gespannt welche Rowsfire angekündigt hat.
Nicht 1:1 aber größer als das jetzige und mit einem ans Original angelehnten Layout, ähnlich wie das Boeing Panel.
Mal gucken was die dafür verlangen werden.
Vielen Dank, Sven, für den ehrlichen Testbericht. 🙂
Der Fuel Cross Feed Switch scheint z. B. ebenfalls ein 3D-Druckteil zu sein.
Sehe ich das richtig, dass z.B. die Engine Start Switches hingegen Spritzgussteile sind?
Falls ja, würde ich vermuten, dass man sich die hohen Werkzeug- und Fertigungskosten für Spritzgussteile insgesamt gespart hat. Kann ich nachvollziehen, da sich Spritzguss oft erst bei sehr hohen Stückzahlen lohnt. Falls das zutrifft, wären vermutlich alle nicht 3D-gedruckten Switches Standardteile von der Stange.
Nach meinem Geschmack (wobei das wahrscheinlich viele anders sehen) hätte ich dann lieber konsequent für alle Schalter Standardteile. Sie wären zwar nicht zu 100 % Boeing originalgetreu, dafür aber hochwertiger.
Hi Chris,
das hast du richtig erkannt, Spritzgussteile sind nur die IRS Switches sowie die Engine Starter, Rowsfire nutzt da Standardteile, die selben switches findet man auch an den Airbus-Panels. Alles andere ist leider 3D gedruckt.
Herzlichen Dank Sven, für die zusätzliche Info.
Ich bin wirklich hin und her gerissen! Wenn man es aus einer Home-Cockpit-Bastler-Sicht betrachtet, gibts nichts einfacheres als das Boeing Overhead. Toggle-Switches, Pushbuttons und LEDs. Materialwert dürfte wenige Euros betragen. Mit dem 3D-Drucker und der richtigen Technik, sehen die Panels sicher auch vergleichbar gut aus. Die Elektronik ist relativ einfach zu machen.
ABER:
Rechnet man die Entwicklungszeit, Produktionslkosten usw. ein und auch, dass viele Teile nicht aus dem 3D-Drucker kommen, dann ist es wieder ein relativ fairer Preis.
Ich würde hier vermutlich erst mal abwarten, bis WinCtrl mit Boeing loslegt. Konkurrenz belebt das Geschäft und die Preise werden fallen denke ich!
War gedanklich auch schon am Losbasteln. =D
Bei der Hintergrundbeleuchtung des Panels, insbesondere den hinterleuchteten „Verbindungslinien“, habe ich dann aber gleich wieder das Handtuch geworfen.
Da müsste man klares Acryl fräsen oder lasern, Diffusorfolie anbringen und die LEDs für eine gleichmäßige Ausleuchtung korrekt positionieren…irgendetwas in der Art. Geht bestimmt, aber man bräuchte viel Zeit und mehrere Iterationen.
Wie du schon gesagt hast, ist der Preis sicher angemessen, da sie all diese Probleme bereits gelöst haben.
Ja an Hintergrundbeleuchtung hatte ich noch garnicht gedacht 😅 fairer Punkt!
Wie läuft der Bestellprozess ab? Wie ist das mit Steuern und Zoll geregelt? Die Webseite von denen sieht auch nicht gerade gut aus.
Problem ist halt bei solchen Shops immer, dass da noch Zoll, Steuern und ggf andere Gebühren dazu kommen. Wäre schön wenn es da mehrere EU-Importeure gibt.
Die Website ist tatsächlich etwas unübersichtlich. Dennoch läuft der Bestellprozess einfach ab, du bestellst einfach, zahlst via PayPal oder was auch immer du bevorzugst. Im Preis sind Versand und Zollkosten bereits inklusive. Rowsfire versendet via Yunexpress, die Verzollung läuft da komplett automatisch.
Ah ok. Danke dir. Das klingt schon einmal sehr gut. So etwas schreckt mich sonst immer ab bei so einem Händler zu bestellen. Die ganze Sache mit dem Zoll usw.
Da brauchst du dir absolut keine Sorgen machen, Lieferzeit beträgt im Schnitt so 10 Werktage, meistens läuft das nach Deutschland über Brüssel oder Amsterdam und wird dann an den local carrier, meist DPD oder DHL übergeben.
„Das Aussehen als solches jedoch orientiert sich stark am Original und vermittelt sofort das Gefühl eines „echten“ Boeing 737 Overheads“
Die Schalter erinnern mich ganz stark an meine Conrad-Bastelzeit, und sorry nein mich erinnert es nicht daran.