Ihr liebt Flugsimulation.
Wir berichten darüber.

Pearson International ist nicht nur durch fünf Bahnen, mehrfache Terminals und zahlreiches Gates einer der größten Flughäfen Kanadas. Auf einer Fläche von fast 1.900 ha sind 49.000 Menschen beschäftigt, die in normalen Zeiten fast 50 Millionen Passagiere abfertigen.

Air Canada, Westjet und andere große nordamerikanische Airlines sind am Airport zu finden – neben den ganzen Longhaulflügen aus aller Welt. Der nach dem ehemaligen Premier Pearson benannte Airport verfügt über zwei Passagierterminals: Terminal 1 und Terminal 3 (Terminal 1 schluckte irgendwann Terminal 2) finden sich im Nordosten zwischen 24L/R und 23. Zentral, zwischen 33L und 33R sind Westjet, die zentrale De-Icing-Station und noch das kleine Inner Concourse Terminal, das Passagiere per Bus mit Terminal 3 verbindet, zu Hause. Zwischen Terminal 1 und 3 verkehrt eine kleine Monorail, wie man sie von anderen Flughäfen kennt. Cargoflieger sind meistens im Norden am Fedex-Terminal zu finden. Und dann hat natürlich noch Lokalmatador Air Canada eine Menge Hallen direkt neben Terminal 3.

Jung gegen Alt

Seit Dienstag gibt es für den Microsoft Flight Simulator zwei Payware-Szenerien, die eine Umsetzung von Toronto versprechen. Zum einen die von RegDesigns, einer jüngeren Designschmiede aus Toronto, die als Local Heroes im MSFS bisher nur auf kanadischem Terrain unterwegs sind. Und dann eben FlyTampa, die schon seit dem Flight Simulator 2004 mit beachtlichen Szenerien glänzen.

Der Kauf der beiden Produkte erfolgt durch die jeweiligen Webshops – bei RegDesigns zum Beispiel durch Contrail, wo 21,36 Euro fällig sind. FlyTampa ist bei Orbx mit 19,47 Euro inklusive Steuern ein bisschen darunter. Bei den Feature-Listen fällt FlyTampa deutlich kürzer aus. Und fällt dabei als wortkarge Anpreisung im Orbx-Portfolio auf. Hier verlässt man sich wohl auf den Namen und die vergangenen Produkte, damit sich potenzielle Käufer:innen vorstellen können, was sie erwartet. RegDesigns sind hier ausführlicher. Eine eigene Website gibt außerdem einen guten Eindruck zum Produkt. Nach der Installation finden sich beiden Szenerien im Community-Ordner des MSFS.

Es kann nur einen geben

Beim Umfang sind beide Szenerien kaum voneinander zu unterscheiden. Was die eine mehr hat, hat die andere weniger. Es würde den Rahmen sprengen, jede Szenerie einzeln zu zerlegen. Meine Betrachtung soll bei der Auswahl  vor Kaufentscheidung helfen. Denn so viel sei jetzt schon gesagt: Beide Szenerien sind für Ihr Geld eine angebrachte Umsetzung des Flughafens Torontos. Bei beiden Produkten haben die Entwickler solide gearbeitet und versucht, den echten Flughafen so gut wie technisch möglich umzusetzen. Doch wer gewinnt? Lass die Spiele beginnen.

Ein erster Birdseye View aufs Spielfeld zeigt FlyTampa im Vorteil. Im Überflug erdribbelt sich die Szenerie mit abgenutzten Bodentexturen einen klaren Vorteil. Die Texturen wirken im Draufblick auf den gesamten Airport stimmiger als bei RegDesigns

1:0 für FlyTampa.

An den Außenlinien kann RegDesigns allerdings einen schnellen Konter einfahren. Erstens ist das autogenerierte Gras fülliger und zum anderen sollte FlyTampa noch einmal über die Integration des an vielen Stellen pixelig wirkenden Standard-Satellitenbilds nachdenken – wie im unten dargestellten Zweikampf an der 33L.

1:1 – ReDesigns gleicht aus.

Doch FlyTampa hat auf dieser Höhe das nächste Ass im Ärmel. Während RegDesigns auf Standard-Assets des MSFS setzen, hat FlyTampa wohl eigene Objekte im Gepäck – die dann auch noch korrekt auf den Linien statt daneben platziert sind. Klarer Doppelschlag für FlyTampa

3:1 gehen die Altmeister in Führung.

Beim Towerbereich versucht RegDesings wieder gleichzuziehen. Der Tower ist detailliert geformt, allerdings könnte er an den Texturen mehr Wetter vertragen. FlyTampa  schießt hier am Boden mit dem grobschlächtigen Satellitenbild daneben – da helfen auch nicht die richtig platzierten Straßenlaternen.

3:2.

Beim Terraforming steckt FlyTampa die Kontrahenten in die Tasche. Auch wenn es RegDesigns hier versucht hat, die absteigenden Straßen in die Szenerie zu integrieren, gehen die jungen Designer im direkten Vergleich leider an mehreren Stellen unter.

4:2

Ein Blick aufs Gate macht es wieder spannend. RegDesign hat die detaillierteren Jetways, bei FlyTampa sieht es dafür wie aus einem Guss aus. An Bodenobjekten haben beide Designer nicht gespart, wobei FlyTampa es schafft, Nachladehänger in der Performance zu vermeiden – hierzu nachher mehr. Beim äußeren Blick auf die Gate-Szenerie: Punkt für beide!

5:3.

Im Terminal sieht es wieder anders aus. Zwar hat sich RegDesigns bei der Gestaltung des Terminal-Inneren durchaus Mühe gegeben, FlyTampa sieht aber einfach stimmiger aus. Vor allem, wenn man von außen ins Terminal blickt – die Perspektive, die wir als virtuelle Pilot:innen ja meistens innehaben.

Klares 6:3 für FlyTampa.

Jetzt werden die ersten Patzer von RegDesigns sichtbar: Vor den Terminals befindet sich das Sheraton-Hotel, das hier als Exempel der Designqualität genutzt werden kann. RegDesigns Gestaltung wirkt nicht nur lieblos, schlecht texturiert, sondern auch einfach falsch nachgebaut. Außerdem fehlt bei RegDesigns die Monorail, die bei FlyTampa schön von Terminal zu Terminal fährt. Hier punktet FlyTampa dreifach!

9:3 geht FlyTampa in Führung.

Beim Parkhaus daneben ist es Geschmackssache. FlyTampa wirkt in sich stimmiger, RegDesings dafür belebter. FlyTampa scheint Proportionen besser im Griff zu haben und lässt auch hier eine Handschrift im Design erkennen.

10:3 für FlyTampa.

Ab vom regen Treiben des Passagierterminals finden sich die Wartungshallen von Westjet und Air Canada. Hier bietet RegDesigns mit geöffneten Hallen die Möglichkeit, sein Flugzeug auch unterm Dach zu parken. Dennoch fällt auch hier wieder die Handschrift von FlyTampa ins Gewicht. Texturen wirken einfach mehr durch das Wetter beeinflusst und dadurch fotorealistischer. Punkt an beide.

12:4

Jenseits des Flughafenzauns vermeiden beide Designer zu viel Objekte. FlyTampa hat hier wenigstens an machen Stellen das Satellitenbild mit Objekten wie Autos kaschiert – ohne die Performance herauszufordern. Hier gefällt FlyTampa einfach mehr.

13:4

Pedantisch muss man bei der Betrachtung der Taxiway- und Runway-Gestaltung werden. Alle von mir überprüften Schilder und Markierungen befinden sich dort, wo sie ein Zurechtfinden auf dem Airport ermöglichen und die Karten es anzeigen. RegDesigns Ground-Decals sind etwas größer als bei Flytampa. Auch die Varianz der Asphalt-Texturen ist bei RegDesigns höher. Weder Vorteil, noch Nachteil. Allerdings überschreiten manche Haltelinien bei RegDesigns ihre Limits und ragen über andere Linien hinaus. Auch hier geht der Punkt also an FlyTampa.

14:4

Auch wenn sich das Cargogebäude von Fedex ja im Nordwesten versteckt, wird es von einigen Cargo-Fans bestimmt besucht. Und hier geht der Punkt wieder an FlyTampa. RegDesigns Gebäude wirkt proportional falsch, schlecht texturiert und fast ohne jede Referenz gestaltet.

15:4 für FlyTampa!

Beim Satelliten von Terminal 3 herrscht das erste Mal optischer Gleichstand. Auch, wenn Formen und Texturierung im Detail durchaus verschieden sind.

15:5 – RegDesings verkürzt.

Nachts wird es nochmal ein interessantes Duell. FlyTampa hat mehr Leuchtkraft bei der Beleuchtung und Objekte, Terminals und Vorfelder wirken ansprechender ausgeleuchtet. So kleine Details wie rote Lichter am Vorfeldtower sind eben auch wichtig. Wo RegDesigns mit einer gamig-wirkenden Glasterminal-Ausleuchtung punkten will, mogelt sich FlyTampa mit einem Werbebanner aus der Affäre. RegDesigns hat bei der Nachtbeleuchtung unterschiedliche LED-Arten fürs Vorfeld ausgewählt – was im Luftbild deutlich wird. Bedeutet?

16:5 nach dem Blick aufs Vorfeld.
17:5 nach dem Blick aufs Terminal.
17:6 nach dem nächtlichen Überflug.

Bei der Performance gibt es einen klaren Sieger. Ob im Anflug oder am Boden, FlyTampa schafft es, den MSFS flüssig zu halten – keine Laderuckler, gute Frames. RegDesigns scheinen es hier an vielen Stellen mit den spawnenden Objekten übertrieben zu haben. Auch scheint RegDesigns bei der Performance mehr an den Frames zu ziehen.

18:6 – FlyTampa gewinnt.

Fazit

FlyTampa gewinnt den direkten Vergleich – und zeigt auch bei solitärer Betrachtung eine tolle Umsetzung des Flughafen Torontos. Zwar könnte an mancher Stelle das Satellitenbild besser kaschiert werden, aber die gute Performance, eine klare Handschrift im Design und Texturen, die Einflüsse von Wetter und Abnutzung zeigen, machen FlyTampas Umsetzung zum Gewinner. RegDesigns haben bis auf ein paar kleine Patzer nichts falsch gemacht und können sich im Markt der Szenerie-Designer durchaus sehen lassen – allerdings verlieren sie hier den Vergleich mit den alten Hasen von FlyTampa.

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6 Kommentare
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Eckehard Küntzle
Eckehard Küntzle
5 Monate zuvor

Danke für die Review!

Flori-Wan Kenobi
Flori-Wan Kenobi
5 Monate zuvor

(…) Beim Umfang sind beide Szenerien kaum voneinander zu unterscheiden. Was die eine mehr hat, hat die andere weniger(…)

Sorry, verstehe ich nicht. Was denn nun!?

Flori-Wan Kenobi
Flori-Wan Kenobi
5 Monate zuvor
Antwort auf  Flori-Wan Kenobi

ps. trotzdem vielen Dank, das Ihr dem Wunsch nachgekommen seid. Hat mir doch sehr geholfen, obwohl schon irgendwie klar war wo die Reise hingeht ;), schön ist es aber das FT auch im MSFS wie gewohnt liefert.

Warum man nun ausgerechnet auf die Idee kommt im FT Wasser fischen zu wollen und sich nicht lieber etwas anderes gesucht hat, bleibt wohl ein Mysterium, genau wie die trillionste LEPA Umsetzung.

Reinhard
Reinhard
5 Monate zuvor

FT gewinnt, was eine Überraschung.

Christian S
Christian S
5 Monate zuvor

Danke für den Vergleich. Könnte man in Zukunft auch wieder das Thema AI Traffic bei Szenerien beleuchten? Seit AIG back in business ist, gilt ein vernünftiges ADE für mich wieder als Kaufkriterium und gemäss ersten Rückmeldungen in Foren ist da die FT Version nicht gerade das Gelbe vom Ei, da keine Gate-Assignments vorhanden sind. RegDesigns ist vermutlich nicht besser, da gibts aber bereits ein „Update“ auf flightsim.to. Für mich eigentlich ein Grund, zu RegDesigns zu greifen, sofern niemand (oder FT selber) für ihre Version nachbessert.

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