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A220 Livestream Asset

Es gibt schlechtere Abende, um sich für ein Verkehrsflugzeug statt für ein Fußballspiel zu entscheiden. Während Teile des britischen Publikums mit einem Auge auf den zweiten Bildschirm schielten, luden iniBuilds und Synaptic Simulations zum offiziellen Microsoft-Flight-Simulator-Showcase ihres Airbus A220 – und lieferten in gut einer Stunde einen Rundgang, einen kompletten Kurzflug von Zürich nach Innsbruck sowie jede Menge Systemtiefe.

Außen glänzt, innen wird geschraubt

Steve von iniBuilds übernahm den Auftakt mit einem Walkaround auf dem Vorfeld in Zürich: geöffnete Cowling am Pratt & Whitney-Triebwerk samt sichtbarer APU, bedienbare Betankungs- und Sauerstoffpaneele, verlinkte Fahrwerksdetails. Auch die Kabine bekam ihre Bühne – volle Gepäckfächer, herunterklappbare Tischchen an jedem Sitz und, mit sichtlichem Stolz vorgetragen, ein voll verglastes Fenster in der Bordtoilette. Ob die Kabinenbeleuchtung bei geschlossenen Fensterblenden automatisch abdunkelt? Ja, laut Team ambient geregelt und zusätzlich über das EFB einstellbar. Unterschiedliche Kabinenkonfigurationen je Airline wird es zum Release zunächst nicht geben – das bleibt ein Thema für später.

Der Flug: Zürich–Innsbruck als Systemvorführung

Harsh und Shaye von Synaptic übernahmen anschließend das Cockpit für den eigentlichen Flug. Schon beim Setup wurde klar, warum der A220 in der Community als eigenwilliger Exot unter den Airbus-Mustern gilt: Die Maschine trägt zwar den Namen, teilt technisch aber kaum etwas mit der klassischen A320-Familie. Statt performance-basiertem VNAV wählt der Pilot hier schlicht einen Sinkwinkel, den das Flugzeug stur bis zur Landebahn hält – ganz ohne Kostenindex oder Idle-Logik im Hintergrund.

Auch bei der Trimmung tickt der A220 anders: Statt wie gewohnt für den Anstellwinkel zu trimmen, hält er eine Geschwindigkeit – trimmt man leicht an, sinkt die Nase automatisch, bis die neue Speed erreicht ist. Eine kleine blaue Marke auf dem PFD zeigt das an. Wer aus der A320-Welt kommt, darf sich also gedanklich neu sortieren.

Sichtbar Spaß hatte das Team an den Eigenheiten der Flugbahnanzeige: Der A220 zeichnet keine geglätteten Kurven in die Karte, sondern die tatsächlich gefolgte Linie inklusive Pfeilen für Einfang-Manöver – „old school“, aber laut Team präziser als das, was viele andere FMS anzeigen.

Triebwerksstart mit Geduld

Wer beim A220 auf schnelle Umläufe hofft, wird enttäuscht: Die Pratt & Whitney PW1500G motoren (sagt man das so? 😀 ) rund 45 Sekunden bei niedriger Drehzahl, bevor überhaupt Kraftstoff eingespritzt wird. Pro Triebwerk dauert der komplette Start rund 1:40 bis knapp 2 Minuten – macht in Summe knapp vier Minuten, bis beide Strahltriebwerke laufen. Zeit genug für Chat-Spekulationen über Startreihenfolgen, die laut Team ohnehin von Airline zu Airline variieren. Belohnt wird die Geduld mit dem inzwischen legendären „Howl“ des Getriebefans – prozedural aus den Spool-Zeiten berechnet, aufgenommen in Zusammenarbeit mit Turbine Sound Studios.

Ausfallmodell, Displays und eine Weltkarte mit Eigenleben

Besonders detailverliebt zeigte sich die Stream-Passage zu den elektrischen Systemen: Sicherungen lassen sich im virtuellen Cockpit ziehen, einzelne Displays fallen dabei gezielt aus und die verbleibenden Anzeigen reorganisieren sich automatisch – inklusive Reversion-Logik, die im echten Flugzeug über sogenannte CDCs (Control and Distribution Cabinets) gesteuert wird. Auf der 100er-Variante und dem ACJ-Geschäftsjet, die nach der 300er folgen sollen, wird es sogar physische Sicherungen in einer nachgebildeten Avionikbucht geben – inklusive Head-up-Display. Synthetic Vision auf dem PFD bleibt dagegen außen vor.

Die markante 3D-Terrainkarte des A220 – wegen ihrer azimutalen Projektion eine Besonderheit gegenüber den meisten anderen Addons – läuft aus Performancegründen über einen externen Renderprozess. Ein Wetterradar wird es zum Release aus Lizenzgründen (Meteoblue-Daten) noch nicht geben; das soll nachgereicht werden, sobald das Kartenprojektions-Problem gelöst ist.

Landung in Innsbruck: kurze Bahn, viel Spoiler

Der Anflug auf Innsbruck – RNP-AR-Verfahren, 1.800 Meter Landebahn, giftige Bergkulisse – bot die geeignete Bühne für ein weiteres A220-Detail: Sobald die Bodenspoiler ausfahren, verliert die Tragfläche schlagartig an Auftrieb, die Nase fällt spürbar, was viel Zug am Höhenruder nötig macht. Harsh brachte die Maschine sauber herunter, inklusive automatisch limitierter Schubumkehr unterhalb von 55 Knoten – Applaus im Chat inklusive.

Wann kommt das Ding?

Die meistgestellte Frage des Abends – Release-Termin – blieb naturgemäß unbeantwortet. Offizielle Formulierung von iniBuilds-Mann Steve: „Not long.“ Nicht „soon“, wie er mehrfach betonte – ein feiner, aber offenbar wichtiger Unterschied in der Marketingsprache von Entwicklerstudios. Bestätigt wurde immerhin:

  • Der A220 erscheint sowohl für MSFS 2020 als auch 2024, mit identischem System- und Kabinenumfang.
  • Ein Paintkit für Community-Lackierungen ist geplant.
  • Navigraph- und Lido-Charts werden unterstützt, ebenso ein SimBrief-Uplink direkt ins FMS.
  • GSX-Pro-Unterstützung ist bereits vorbereitet.
  • Ein ausführliches Deep-Dive-Video soll vor Release erscheinen.
  • Failure-Szenarien zum gezielten Auslösen sind für den Start nicht vorgesehen, folgen aber möglicherweise später.

Wer sich schon jetzt vorbereiten will, dem legte das Team einen inoffiziellen, aber von einem echten A220-Piloten verfassten Guide ans Herz, zu finden im Synaptic-Discord unter dem Namen „A220 Driver“.

Fazit des Abends: Der A220 mag im Namen „Airbus“ tragen, verhält sich aber in fast jeder Hinsicht wie das eigenständige Bombardier-Erbe, das er ist – eigenwillige Trimmlogik, ungewöhnliche VNAV-Philosophie, endlos lange Triebwerksstarts und ein Sound, für den sich die Wartezeit laut übereinstimmender Chat-Meinung definitiv lohnt.

Wer den Stream nochmal ansehen will, hier ist das YouTube-Video dazu:

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