
Neuer Mann im Moderationssessel: Matt Smith, in der Community als „Chewwy“ bekannt und Community Manager bei MSFS, hat den September-Stream am 16. September übernommen – Jane, die die Runde bislang moderierte, ist nicht mehr dabei. Im Panel saßen wie gewohnt Jörg Neumann (Head of Microsoft Flight Simulator) sowie Sebastian Wloch (CEO) und Martial Bossard (Executive Producer) von Asobo. Dazu kamen vier Gäste. Ergebnis: knapp zwei Stunden Laufzeit, drei Ankündigungen und eine ungewöhnlich hohe Dichte an technischen Details.
Neumann eröffnete mit Zahlen: die höchste Zahl monatlich aktiver Nutzer seit Launch, dazu die beste Stabilität und die höchsten Frameraten, die man bisher gemessen habe. Und mit einem Eingeständnis: In einem Forenthread hatte die Community moniert, dass bei den Flighting-Betas nie klar sei, was eigentlich getestet werden soll. Neumann gab ihr recht und lieferte die Zielvorgaben für Sim Update 6 gleich nachträglich mit – künftig soll das zum Standard werden.
Die Termine bis Jahresende
- 29. September – Aircraft & Avionics Update 6
- 6. Oktober – Carenado Cessna CT206G Stationair 6 (Marketplace)
- 13. Oktober – Sim Update 7 inklusive National Championship Air Races
- Oktober – World Update 23: Polen und das Baltikum, dazu die Antonow An-28. Neumann nannte im Stream den 27. Oktober, hielt sich aber eine Verschiebung um eine Woche offen: Man versuche, ein Vor-Ort-Event mit einem polnischen Museum auf die Beine zu stellen.
- 17. November – Sim Update 17 für MSFS 2020 (Beta ab Mitte Oktober)
- 24. November – Embraer Praetor 600, Expert Series 03
Aus dem geplanten City Update 17 wird übrigens nichts – jedenfalls nicht in dieser Form. Neumann hat es nach einem Gespräch auf der Gamescom in ein „Livery Update 1″ umgewidmet: ein Paket lizenzierter Bemalungen, die über das vergangene Jahr eingekauft wurden. Explizit als Geste an die Konsolen-Fraktion, die Liveries bislang nicht nachinstallieren kann.
World Update 23: das Baltikum als Beifang
Polen war laut Neumann seit Launch die am häufigsten gewünschte Region – hinter Brasilien, das 2025 kam. Geflogen wurde gleich mit: Auch die baltischen Staaten sind Teil des Updates. Neue Photogrammetrie erhalten Tallinn, Riga, Kaunas, Vilnius, Danzig und Warschau. Dazu kommen fünf handgebaute Flughäfen (einer pro Land), 77 POIs von Gaya Simulations, drei Discovery Flights, fünf Precision Landings für 2024 beziehungsweise vier Landing Challenges für 2020, eine Rally-Strecke und eine Guided Tour. Letztere ist laut Neumann mit einem echten polnischen Reiseveranstalter entstanden, dessen Skript und Route teilweise übernommen wurden.
Eine Randnotiz für Detailfreunde: Die Zusammenfassungsfolie im Stream sprach von zwei neuen Areas of Interest, der offizielle Blogbeitrag vom Tag darauf von zwölf. Wer sich auf eine Zahl verlassen will, wartet besser auf den Trailer.
Local Legend: An-28 statt PZL
Das begleitende Bezahlflugzeug ist die Antonow An-28 von AT Simulations – dem Studio von Andrei Tsvirenko, das bereits die An-2 und die Dornier Do J für den Simulator gebaut hat. Dass es kein originär polnisches Muster geworden ist, hat einen Grund, den Neumann offen benannte: Der wichtigste polnische Hersteller – PZL Mielec – gehört zu Lockheed, und Lockheed vergibt keine Lizenz. Die An-28 wurde in der Ukraine entworfen, der Großteil der Serie lief aber bei PZL Mielec in Polen; das PZL-M28-Skytruck-Derivat stammt direkt davon ab. Näher kam man nicht heran.
Tsvirenko führte das Flugzeug live vor: Walkaround mit Ölkontrolle, Abdeckungen und Chocks, dann der Start der beiden Turboprops über die elektrischen Anlasser, inklusive der Notwandler, ohne die die Kraftstoffanzeigen tot bleiben. Danach Pushback per Umkehrschub – die An-28 kann das. Gemeldet sind über zehn Liveries und vier Kabinenkonfigurationen: Cargo, Sanitätsversion, Passagiere und Fallschirmspringer. Aerodynamisch reizvoll: Spaltklappen bis 40 Grad, mitgehende Querruder, vollautomatische Vorflügel, die rein aerodynamisch ausfahren, dazu Spoiler und Spoilerons, die sich erst bei voll gesetzten Klappen bedienen lassen. Ein Autopilot fehlt – im Original wie im Add-on. Dafür gibt es ein HSI-artiges Instrument, das sich den nächstgelegenen Anflugsender selbst sucht. Die Beschriftung ist zunächst russisch; englische Decals stellte Tsvirenko in Aussicht, Tooltips kommen ohnehin mehrsprachig.
Zur Nummerierung: Im Stream lief das Flugzeug als „Local Legend 25″, im offiziellen Blog als Nummer 26 – wobei dort gleichzeitig die im August erschienene Heinkel He 70 Blitz als Local Legend 25 geführt wird.

AAU6: fünf Deutsche, und die Hälfte der Hausaufgaben ist gemacht
Das Aircraft & Avionics Update 6 bündelt am 29. September fünf deutsche Muster und hebt sie auf natives 2024-Niveau: Dornier Do J „Wal“, Do X, Do 31, Junkers F 13 und Ju 52. Die Do 31 habe iniBuilds erheblich Arbeit gekostet, so Neumann.
Damit ist rund die Hälfte des Programms durch: 15 der früheren Bezahlflugzeuge aus 2020 sind dieses Jahr portiert worden, die verbleibenden 15 sollen bis Ende 2027 folgen. DC-3, MU-2 und An-225 sind darin ausdrücklich eingeplant, der Großteil läuft über iniBuilds. Eine „Professional“-Version der Airbus-Flotte ist dagegen nicht vorgesehen – iniBuilds habe die A330 zuletzt aus eigenem Antrieb deutlich überarbeitet, ohne dass Microsoft darum gebeten habe. Die A380 soll so schnell wie möglich auf die PS5 kommen; nötig ist ein WASM-DLC, und dass das Flugzeug auf der Series X gut läuft, wertet Neumann als gutes Zeichen. Ein Datum gibt es nicht.
Praetor 600: Systeme als Lehrmittel
Matt Nischan von Working Title lieferte den ausführlichsten Block des Abends. Asobo verantwortet die 3D-Kunst, die Sounds kommen von Boris Audio Works und Microsoft – aufgenommen am echten Flugzeug. Außen sind die vom Piloten zugänglichen Panels bedienbar, inklusive Hydraulik- und Ölkontrolle, Steuerpanel, Gepäckraum mit ausklappbarer Leiter, RAT-Panel und einem funktionierenden Betankungs- und Enttankungspanel. Die Kabine hat einzeln schaltbare Leseleuchten, Tischchen, Blenden und LCD-Panels über den Sitzen.
Interessanter ist die Systemtiefe: über 900 Seiten elektronische Checklisten, HUD, Charts, bis zu vier parallele Flugpläne mit Alternates und eigenen Wegpunkten, vollständige Reversionary-Modi, ein eigens modelliertes Standby-Instrument und das Fly-by-Wire samt Approach-Trim-Speed-Mode. Dazu 100 Prozent der Circuit Breaker, inklusive der softwaregesteuerten und der reinen Wartungs-Breaker, letztere über die EFB. Alle Systeme sind physikbasiert bis auf Komponentenebene aufgelöst – Drücke, Temperaturen, Ventilstellungen, Spannungen sind in einer EFB-Seite einsehbar, und einzelne Komponenten lassen sich dort einfrieren oder in Fehlerzustände zwingen. Ein Duct Leak im Pneumatiksystem erzeugt dann genau die CAS-Meldungen und Umschaltungen, die er erzeugen soll. Eine vollständige Panel-State-Persistenz ist dagegen nicht geplant – sie kollidiert mit Karrieremodus und den verschiedenen Startzuständen. Flüssigkeitsstände sollen aber erhalten bleiben.
Chris Burnett, ebenfalls Working Title, stellte davor die neue EFB-App „Ground Services“ vor, die mit SU7 für alle Flugzeuge kommt: steuerbarer Pushback, Bodendienste, Chocks, Quick-Preflight und eine dynamisch aus dem Flugzeug ausgelesene Türliste – im Kern eine Abkürzung um das träge ATC-Fenster herum. Dass die niedrigste EFB-Helligkeitsstufe noch immer zu hell ist, ist als Bug erfasst. Umberto, it’s on.
Air Races: jetzt kostenlos, jetzt in Roswell
Tony Logoteta, President und COO der Air Races, schaltete sich direkt vom Veranstaltungsgelände in Roswell, New Mexico zu – das Rennen läuft noch bis Sonntag. Die Strecken wurden fotografiert und gescannt und mit Sim Update 7 am 13. Oktober in den Simulator gebracht. Das Wesentliche: Die Aktivität, in 2020 noch ein 20-Dollar-Add-on, ist künftig Teil des Basisspiels. Reno kommt mit vier Klassen zurück, neu hinzu kommt STOL Drag als 1-gegen-1-Format. 44 Flugzeuge werden überarbeitet; zu berücksichtigen sind laut Microsoft Wirbelschleppen, Verschleiß und Triebwerksmanagement. Öffentliche und private Lobbys sind dabei, terminierte Rennen sollen 2027 folgen, voraussichtlich mit SU8. Das optionale Flugzeugpaket mit den realen Renn-Bemalungen kostet künftig 40 statt 60 Dollar – wer die Reno-DLC in 2020 gekauft hat, bekommt es geschenkt. Quick Match und das alte Menü-UI kehren nicht zurück.
Karriere: erst reparieren, dann erweitern
Bossard nannte drei Baustellen für SU7: realistischere Dispatch- und Routenlogik mit besserer Verteilung der Flughäfen, ein weiter überarbeitetes Fuel Management und neue Filter für die Missionssuche – nach Bezahlung, Distanz, Dauer, Höhe sowie Bahnlänge und Bahnbelag. Neue Missionstypen sind dagegen ausdrücklich nicht geplant: Ein dediziertes Strike-Team arbeitet sich durch die bestehenden Reibungspunkte. Die gewünschte Wirtschaftsbalance – Airliner lohnen sich schlicht nicht – ist bekannt, kommt aber erst, wenn die groben Fehler weg sind. Die Wahl eigener Liveries für die Firmenflotte ist geplant, ohne Zeitplan. Ein Flugzeugwechsel in Buschflügen scheitert daran, dass es dafür erst eine Kategorisierung und Spawn-Prüfung aller Flugzeuge bräuchte.
Welt und Wetter: viel Bestandsaufnahme, wenig Zusagen
Hier war der Stream am ehrlichsten. Die Flughafendatenbank wird bei Asobo von zwei Personen manuell gepflegt, priorisiert nach AK-Problemen, fehlenden Bahnen und fehlenden Flughäfen; Korrekturen laufen unabhängig von Sim Updates über Datenbank-Updates. Die Aktualisierung der Satellitenbilder ist seit dem Launch von 2024 pausiert, weil neue Kacheln zwar aktueller, aber farblich und saisonal oft unpassend sind – Neumanns Beispiel ist die Schweiz, die einst saftig grün war und heute nach Spätsommer aussieht. Vor neuen Daten will er erst die Kohärenz der Welt herstellen. Die generischen Gebäude nachzubauen, wäre nach interner Schätzung fast zwei Jahre Arbeit. Bei den Photogrammetrie-Bäumen steckt man weiter im Kompromiss, einen 3D-Baum in den Datenblob zu stellen; die saubere Lösung bräuchte eine nahezu perfekte Baumerkennung und ein Einebnen der Bildbäume – was mit überhängenden Kronen regelmäßig auch Gebäude platt macht. Ein Südamerika-Update hängt daran, dass Bilddienstleister Vexcel seine Kameras erst mal über Buenos Aires, Santiago und Bogotá fliegen lässt. Am World Hub arbeitet derzeit niemand. Die Leuchttürme aus der zweiten Phase der Zusammenarbeit mit Orbx und We Love VFR sind nicht angestoßen. Ein API für Wolkeninjektion bleibt Backlog.
Immerhin: Die zu hell leuchtenden POIs bei Nacht sind ein Datenproblem – 21 Pakete aus 2020-Zeiten, die Gaya nacharbeitet, spätestens rund um SU7 und ohne Sim Update.
Technik: Wloch hält Vorlesung
Auf eine LOD-Frage antwortete Wloch mit einem kompletten Foliensatz. Kurzfassung: Die Terrain-LODs werden über die Distanz zur Kamera bestimmt, bewusst als Kreise und nicht als Sichtkegel, damit beim Schwenken nichts nachlädt; das Gelände kennt rund 27 Stufen. Die höchste Stufe direkt unter dem Flugzeug wird verworfen, weil sie nur Bandbreite kostet. Mit zunehmender Höhe wird Detail hereingezogen, weil das Gelände dort billiger ist. Dynamic Detail kann Detail ausschließlich reduzieren – wer mehr will, stellt die LOD-Distanz auf 400 und lässt Dynamic Detail bei Bedarf herunterregeln. Das Offscreen-Caching entscheidet, ob Daten hinter der Kamera in voller Auflösung im Speicher bleiben: mehr RAM- und VRAM-Verbrauch gegen weniger Ruckler beim Schwenken. Bei mehreren Petabyte Weltdaten ist Streaming keine Komfortfrage, sondern Pflicht.
Praktisch relevant für Entwickler: Mit SU7 kommt im Dev Mode ein Performance-Tool für die Flugzeugsimulation, das jedes aktive System mit Ausführungszeit in Mikrosekunden, Maximum und Standardabweichung auflistet. Wer Stotterer in der eigenen Systemsimulation sucht, findet sie dort. Weitere Optimierungen liegen in einem separaten Branch und kommen erst nach internen Tests.
Zu den Upscalern: PSSR 1 wurde auf der PS5 getestet und gegen das hauseigene TAA verworfen, PSSR 2 ist noch nicht evaluiert. DLSS 5 sei „eine Frage der Zeit“ – das Problem sind nicht die Gesichter, über die alle reden, sondern die Beleuchtung: Das Verfahren interpretiert das Bild und dreht bei wolkigem Himmel schon mal Schattenintensität und Ambient Occlusion nach, was der physikalisch korrekten Darstellung zuwiderläuft. Ohne API-Kontrolle über Sonnenstand und Wetter geht das nicht. Ein Maskieren der Glascockpits gegen Ghosting hält Wloch für machbar und will es sich ansehen. Der Rolling Cache auf der PS5 bleibt gestrichen: Die Zugriffslast auf die SSD überschreitet die Hardware-Vorgaben, ein Ausnahmeantrag wurde abgelehnt.
Zum Schluss ein konkreter Wunsch von Bossard an die Community: In der SU7-Beta steckt eine überarbeitete Speicherverwaltung für Langstreckenflüge, und man würde dazu gern Daten sammeln. Neumann nannte es „möglicherweise einen Durchbruch“ – gemeint ist vor allem die Stabilität auf Xbox Series S. Also: lange Flüge, Feedback ins Forum.
Marketplace: Liveries für die PS5, sonst wenig Bewegung
Käufe aus anderen Stores in den Marketplace zu übertragen, damit sie gestreamt werden, ist kein Thema – Microsoft kennt weder die Entitlements noch trägt es die Streaming-Kosten. Der wahrgenommene Verzug zwischen Entwickler-Upload und Marketplace-Veröffentlichung liegt an WASM-Paketen, die nicht self-service laufen; alles andere werde in der Regel binnen 24 Stunden bearbeitet, freitagabends eingereichte Pakete ausgenommen. Getestet werden die inzwischen über 7.000 Add-ons nicht – das liegt bei den Entwicklern. Asobos SDK-Team baut aber ein Prüfwerkzeug für Konsolen-Spezifikationen, das künftig auch im Dev Mode verfügbar sein soll; ein Fall, in dem ein Update ein Gigabyte zugelegt hatte, wurde so abgefangen. Und, direkt auf eine Zuschauerfrage hin: Liveries kommen in den kommenden Wochen in den PS5-Marketplace, weil sie keine Performance-Risiken bergen. Flughäfen müssen warten, bis das Prüftool fertig ist – manche Szenerien haben nicht einmal LODs, geschweige denn gute.
Was nicht kommt
Ein Shared Cockpit bräuchte eine Replikationsbibliothek, die jeder Flugzeugentwickler einbauen müsste; für einfache Muster ohne Glascockpit hält Bossard einen PC-only-Prototyp für denkbar, Neumann zweifelt am Nutzen. Verbindlich: „definitiv nicht dieses Jahr, vielleicht nächstes“. Ein Neubau des ATC-Systems ist nicht geplant – Working Title behebt Fehler, LLM-Funk und Traffic-Injection bleiben Terrain der Drittanbieter, wobei Neumann Abomodelle offen skeptisch sieht. Native Force-Feedback-Unterstützung scheitert am fehlenden Standard: Solange es kein DirectX-Äquivalent gibt, müssen die Hersteller die Daten selbst übersetzen; Moza wurde dafür ausdrücklich gelobt.
Immerhin zwei sympathische Zusagen ohne Termin: Ein Halo-Pelican für 2024 sei „möglich“ – Neumann hatte ohnehin das 25. Xbox-Jubiläum im Kalender. Und der Avatar im Rollstuhl, um den ein Zuschauer bat, sei zwar nicht geplant, aber ein Anliegen, das er mitnehme. Die FSX-Musik will er beim Audioteam anfragen.
Wie ihr seht: Zwei Stunden, viele Infos. Der nächste Developer Stream ist für November angesetzt – dann mit dem Raster für 2027. Wenn ihr durch den Stream nochmal skippen wollt, hier ist das Video:
