
Laut gedacht: Headwind Simulations möchte von Aerosoft ausgewählte Projektdateien und Assets der älteren, nicht als „Pro“ geplanten A330-Projekte bekommen. Ziel: eine vollständige Freeware-A330-Familie von der -200 bis zur -900neo. Die Idee ist charmant, der Zeitpunkt bemerkenswert – und die Lizenzlage eh kompliziert.
Pitch per Post
Der Überraschungsrelease des A330NEO von Aerosoft war mal wieder ein toller Moment für Flusi-Popcorn. Allein die Kommentarspalte unter unserem Artikel zum Release ist geradezu explodiert. Und wenn wir schon alle darüber reden, können wir noch einen weiteren Player an den Tisch holen: In einem öffentlichen Community-Post hat Alex von Headwind Simulations gestern auf Discord eine Arbeitsteilung skizziert, vorgeschlagen, gepitcht – vielleicht war es auch nur laut gedacht: „We want to explore something that could be huge for the future of the Headwind A330“, heißt es dort. „We would like to approach Aerosoft about potentially releasing or providing selected project files/assets from their older, non-Pro A330 projects to Headwind.“
Mal kurz abgekürzt: Aerosoft konzentriert sich auf die neuen Pro-Produkte, Headwind bekommt „selected project files/assets“ der älteren A330-Arbeit und gibt der Plattform ein zweites Leben. Kombiniert mit den eigenen Systemen und weiterer Entwicklung soll daraus eine komplette Familie entstehen – A330-200, A330-300, A330-800neo und A330-900neo. So weit die Idee.
Der Nutzen für Aerosoft wird gleich mitgeliefert: Die alte Arbeit bliebe im Einsatz, das Unternehmen könnte sich auf das Neugeschäft konzentrieren, und es gäbe „a lot of positive goodwill“ obendrauf. Headwind betont ausdrücklich, dass es sich weder um einen Angriff noch um eine Forderung handelt. Wer die Idee unterstützen möchte, solle reagieren, teilen, darüber sprechen – und Aerosoft-Mitarbeitende bitte in Ruhe lassen. Ok, hiermit getan. Let’s talk.
Aber ehrlich: Vielleicht werde ich Rafi aber trotzdem die kommenden Tage und Wochen damit auf den Sack gehen. Auch wenn er Produkte gar nicht entwickelt. Falls wieder jemand nach der Transparenz fragt.
Timing
Nutzt Headwind hier den Themenrückenwind? Denn der Aufruf kommt keine Woche nach Aerosofts Überraschungsrelease: Der A330 NEO ist seit dem 30. August für den MSFS 2024 im Shop. Aerosoft entwickelte das Base Pack nach eigenen Angaben komplett hausintern und stellt es selbst nicht als High-Fidelity-Addon dar. Was verschiedene Eindrücke in Videos und Foren übrigens tatkräftig beweisen. In derselben Ankündigung bestätigte das Unternehmen einen A330 NEO Pro gemeinsam mit ToLiss, ohne Termin.
Damit existiert die Kategorie „non-Pro“, auf die Headwind zielt, überhaupt erst seit knapp einer Woche. Und sie umfasst zwei Produkte, die beide aktiv im Verkauf stehen: den frisch erschienenen neo und den A330ceo, dessen Empfang Aerosoft mittlerweile selbst mit den Worten kommentiert, er sei nicht die beste eigene Arbeit gewesen. Joa, wir erinnern uns noch alle an den Release. Auch damals gab’s Pocporn. Für genau diesen CEO hat Aerosoft im Zuge des NEO-Releases ja auch einen Patch angekündigt, der ihn technisch auf denselben Stand heben soll.
Licence to will?
Jetzt will Headwind also mithelfen. Die Truppe spricht ja auch fließend 330. Und hat gut geliefert. Aber selbst wenn Aerosoft wöllte: Ein Asset-Transfer ist hier sicher kein Drag-and-Drop. Der A339X von Headwind ist ein Lizenz-Mosaik, nachzulesen im eigenen Repository.
Achtung, jetzt wird’s abbreviativ: Quellcode und kompilierte Artefakte stehen unter GNU GPLv3, weil das Projekt auf dem FlyByWire A32NX aufsetzt. Die eigenen 3D-Assets liegen unter CC BY-NC-SA 4.0, Teile stammen unter Microsofts „Game Content Usage Rules“ aus dem Simulator selbst, Triebwerkssounds kommen von FTSiM+, Cockpitteile aus dem Project Mega Pack – und das A330neo-Modell gehört Shervin Ahooraei von Project Sky. Nicht Open Source, sondern ausdrücklich mit Einzelgenehmigung genutzt, ohne Erlaubnis weder kopier- noch veränderbar.
In dieses Konstrukt kommerzielle Assets eines Publishers einzupflegen, verlangt eine maßgeschneiderte Freigabe: nicht-kommerziell, weitergabefähig, kompatibel mit Copyleft. Dazu kommt die Frage, ob Aerosoft an allen Bestandteilen überhaupt die nötigen Rechte hält – Auftragsarbeiten, zugekaufte Modelle, Sounds, Lizenzbibliotheken, etc. Wer weiß, wie das Projekt zusammengetragen wurde.
Booooy, und dann ist da noch das Fördergeld. Aerosoft hat für die Entwicklung neuer Flugzeugtypen für den MSFS 459.000 Euro vom Bundeswirtschaftsministerium erhalten, verteilt auf den Zeitraum vom 1. März 2023 bis 28. Februar 2025, ausdrücklich zweckgebunden für einen A321neo und einen A330neo. Auf der FSExpo 2025 verwies Aerosoft selbst auf die Teilförderung, als Begründung für den vergleichsweise niedrigen Preis.
Wer öffentliche Mittel abruft, hat Verwendungsnachweise, Zweckbindungen und Verwertungsauflagen am Hals. Ob man das damit finanzierte Ergebnis anschließend an ein Freiwilligenteam weiterreichen darf, ist keine Frage der Sympathie, sondern wahrscheinlich auch des Zuwendungsrechts. Es ist auf jeden Fall kompliziert. So meine Einschätzung.
Und was hätte man in Lindbergh-Ring davon?
Goodwill ist eine Währung mit schwankendem Kurs. Aerosoft soll Material herausgeben, das entweder ein aktuell verkauftes Produkt speist oder in leicht veränderter Form kostenlos neben ihm steht – während die Pro-Version mit ToLiss noch keinen Termin hat und damit auf absehbare Zeit kein Umsatzersatz ist. Wirtschaftlich ist die Rechnung heikel, und das schwächste Argument des Aufrufs ist ausgerechnet das, das Aerosoft überzeugen müsste.
Hinzu kommt der Blick auf Headwinds eigene Baustellen. Der A339X ist trotz großer Beliebtheit weiterhin ein Projekt im Werden und trägt nach wie vor eine 0.x-Versionsnummer. Die Cockpit-Überarbeitung läuft seit Januar 2025 in Phasen, Phase 2 mit dem neu gestalteten Overhead-Panel und den zugehörigen Systemen steht bis heute aus. Der A333X liegt zwar bereits als eigener Zweig im Repository, auf der Projektseite stehen A333X und A338X aber weiterhin als „planned“. Der Sprung zur kompletten A330-Familie inklusive A330-200 wäre also ein erheblicher Zuwachs an Arbeit für ein Freiwilligenteam – Aerosoft-Assets hin oder her.
Positiv bleiben: Der Wille zählt
Der Post ist ausgesucht höflich formuliert. Also bitte ruhig bleiben, wer Headwind hier jetzt angreifen will. Aber dennoch ist der Post interessant. Denn der Mechanismus sagt: Eine Community wird gebeten, sichtbar Zustimmung zu zeigen, damit ein Unternehmen vielleicht eine Entscheidung trifft, die es bisher nicht getroffen hat.
Das ist legitim – aber es ist eben doch ein interessanter Weg der Kontaktaufnahme. Der öffentliche Brief, so ein wenig. Wer öffentlich um Assets bittet, bringt das Gegenüber in die Lage, dass ein schlichtes Nein wie Geiz aussieht. Der ausdrückliche Appell, niemanden zu belästigen, zeigt, dass Headwind dieses Risiko kennt.
Dass Rechteübertragungen in der Szene funktionieren, zeigt Headwind selbst: Das A330neo-Modell von Project Sky ist genau so entstanden, per persönlicher Freigabe. Nur eben zwischen Einzelpersonen und ohne kommerzielle Verwertungskette. Hinter der Kulissen, mehr oder weniger. Einen vergleichbaren Fall, in dem ein Publisher ein aktiv verkauftes Flugzeug an ein Freiwilligenteam übergeben hätte, kenne ich aus der Flugsimulationsszene nicht – und beim A330 von Aerosoft ist der Punkt, an dem so etwas naheliegen würde, sichtbar noch nicht erreicht. Eine Reaktion von Aerosoft liegt bislang nicht vor. Wird vermutlich auch nicht kommen. Und jetzt mal böse gesagt: Will man wirklich an dem Ding verschlimmbessern?
Mit reinem Flusi-Herz gesprochen: Der Headwind A339 bockt doch auch so schon voll. Weil er genau von dem kommt, was er bedienen soll – die Flusi-Community, die ohne kommerzielles Interesse schon fantastische Projekte geschaffen hat. Let’s keep it that way!

Wenn Dir ein Freeware-Entwickler „Hilfe“ anbietet, was sagt das dann über die Payware? 🙂
Ich finde es großartig von Headwind, hier eine solche Chance zu sehen. Ich nehme Headwind auch absolut ab, dass es ihnen um die Community geht. Ich meine „hey!“ die machen das in ihrer FREIZEIT! 🙂
Das so ein Angebot überhaupt notwendig ist, zeigt meiner Meinung nach die Qualität, die seitens AS geliefert wurde. Sorry aber das sind auch keine 30€, die da aktuell im Schaufenster stehen.
Ich hoffe, dass man im Hause AS ernsthaft darüber nachdenkt, die Bude mit Headwind auf eine V2 zu entwickeln und diese ggf. sogar kostenlos anzubieten. Eigenentwicklungen einstellen und auf ToLiss und andere fähige Partner setzen, sonst nimmt das langsam Züge von gewissen anderen Simulatoren an, z.B. Autobahnpolizei…. 🙂 Viel Spaß in diesem Rabbit-Hole und ein fantastisches Wochenende Euch allen!
Das klingt eher nach reiner PR als einer tatsächliche Machbarkeit. Alles irgendwo schon mal gehört. Es bleibt dabei, ich kauf nix mehr auf Vorrat. FSS hat uns das seht gut geleert. Release Feedback abwarten einordnen.
Hm … PR für wen jetzt und was kaufen? Headwind hat das doch selbst gepostet, und bei denen gibt’s nichts zu kaufen.
Genau das ist mein Punkt: So ein Headwind-Post ist nett, aber noch kein Grund, ein schwaches Produkt auf Vorschuss zu kaufen. Headwind hat sich in der Vergangenheit mehrfach bei anderen Projekten positioniert oder Kooperationen angekündigt – manches wurde umgesetzt, anderes geändert, eingestellt oder verlief ganz anders als zunächst erwartet.
Entscheidend ist: Ich kaufe kein schlechtes Release in der Hoffnung, dass später ein Freeware-Entwickler die Arbeit des Herstellers übernimmt. Genau diese Erwartung wurde in der Flusi-Szene schon mehrfach erzeugt.
Beispiele gab es genug: Bei der Aerosoft Twin Otter wurde angebotene Hilfe nicht angenommen und der spätere Improvement-Mod sogar ausgebremst. Beim LatinVFR A340 musste Horizon ausdrücklich davor warnen, das Flugzeug nur in der Hoffnung auf einen späteren Horizon-Mod zu kaufen. Und bei Captain Sim 777/767 haben Community-Mods zwar versucht, die Basis aufzuwerten, aber aus einem schwachen Payware-Produkt wird dadurch eben nicht automatisch ein gutes.
Deshalb: Headwind kann gern helfen, wenn daraus tatsächlich etwas wird. Bewertet und gekauft wird aber das Produkt, das beim Release auf dem Tisch liegt nicht die Hoffnung, die vorher auf Discord, Facebook oder in irgendwelchen Ankündigungen verkauft wird.
Sorry aber headwind hat doch bisher nicht einmal einen richtigen A330. Das Overhead Panel ist vom A320. Ich finde sie sollten erst mal weiter und ihre Hausaufgaben machen.
Ich hoffe, sie gehen diesen Schritt.
Das würde die Produkte um Einiges heben was die Qualität anbelangt.
Qualität – die Sachen, die auf der Produktseite stehen, liefert er auch. Also würde ich das jetzt nicht mit dem Qualitätsbegriff vermischen wollen. Die ist da. Das der Level ein anderer ist als Fenix etc., darüber brauchen wir nicht zu reden. Und ich beurteile das nicht vom Hörensagen oder diversen streams, wo, z.B. die Texturierung an einigen Stellen bekrittelt wird, was für mich so wichtig ist, wie der berühmte Reissack, der in China umfällt, sondern ich besitze ihn selbst und weiß, wovon ich rede.
Leider zeigen diverse Streams/Videos aber auch, dass nicht mal immer die auf der Produktseite versprochenen Funktionen enthalten sind. Pilot Waypoints funktionieren zum Beispiel nicht, wie z.B. A330 Driver in seinem Video gezeigt hat – neben zahlreichen anderen Fehlfunktionen. Es ist also nun wirklich nicht so, als ob sich die Kritik nur an der Texturierung aufhängt.
Nicht nur sind auf der Produktseite Sachen angegeben, die nicht simuliert sind, außerdem sind viele der simulierten Features ziemlich verbuggt und ganz sicher nicht ausreichend getestet. Holdings z.B. funktionieren so gut wie nicht. Man kann halt viele Features irgendwie simulieren, sodass man damit werben kann, das hat dann aber natürlich nichts mit einer brauchbaren Simulation zu tun. Meiner Meinung nach. Schon etwas absurd, dass man mit dem A343 und A346 jetzt zwei brauchbare A340 hat, aber keinen payware A330 der was taugt.
Pfiffige Idee, aber ich glaube, das wird sie auch bleiben – ohne Chance auf Umsetzung. Dafür dürfte allein schon die rechtliche Komponente zu kompliziert sein, mal ganz zu schweigen davon, dass Aerosoft mit diesem Add-On ja auch sicherlich weiterhin Geld verdienen will. Ob das Geld auch wirklich verdient ist (pun intended), sei mal dahingestellt.
Der bereits inklusive inibuilds a330 hat mehr Funktionen und weniger Bugs. WARUM braucht es einen schlechteren A330? Für 30 Euro?
Einen schlechteren A330 für 30 Euro braucht es sicherlich nicht.
Aber die einzigen NEO Optionen sind aktuell der Headwind mit guten Systemen aber ohne korrektes Cockpit und ohne Kabine für die, dies brauchen; der LVFR mit mäßigen Systemen dafür ein halbwegs akkurates Cockpit und eine halbwegs gute Kabine. Und dann eben der Aerosoft bei dem wohl alles etwas mau ist. Gegen die ini A330 CEO kommt er nicht an. Aber Piloten die gern den NEO fliegen wollen haben echt wenig gute Auswahl. Und so sehr sich manche eine A330 CEO/NEO Reihe von Fenix wünschen… Ich glaub nicht daran, lasse mich jedoch gerne überraschen 🙂