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Die BO-105 ist der erste Helikopter aus Deutschland, welcher es nach dem zweiten Weltkrieg zur Serienreife geschafft. Aber nicht nur deshalb hat das Modell eine besondere Rolle in der Luftfahrtgeschichte, sondern es war auch technisch in vielen Aspekten wegweisend. Nach einigen Verzögerungen steht nun auch die virtuelle Version des Heli zum Start bereit, welche in Kooperation von Stratoware und Miltech entwickelt wurde.

Ich konnte mir für euch den Helikopter in einer Pre-Release Version anschauen und dabei einen Eindruck erhalten, ob sich das Endprodukt der langen Entwicklung gelohnt hat. Der Test fand dabei im Microsoft Flight Simulator 2024 statt, welcher auch die Ziel-Plattform für den Release ist. Eine Version für den MSFS 2020 soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Varianten, Varianten

Was nach der Installation im Sim als erstes ins Auge fällt ist die schiere Anzahl an Varianten, welche das Team umgesetzt hat. Insgesamt steht die BO-105 in über einem Dutzend verschiedenen Modellen zur Verfügung. Die Auswahl reicht dabei vom Rettungshubschrauber mit hohen und niedrigen Kufen über eine Polizeiversion bis hin zur militärischen Variante, welche als PAH-1 für die deutsche Bundeswehr geflogen ist. Die Varianten sind dabei nicht nur optische Unterschiede am Modell, sondern besitzen teilweise auch die entsprechende Sonderausstattung. So befindet sich auf dem Copiloten-Sitz der Polizei-Variante eine Konsole, mit welcher der Suchscheinwerfer und die FLIR-Kamera gesteuert werden kann.

Ein kleiner Wehrmutstropfen für Simmer, welchen den letzten Realismus suchen, ist dabei nur die Tatsache, dass das eigentliche Cockpit-Panel in dem Helikopter immer das gleiche ist Das verbaute Panel ist ein reiner Uhrenladen für die Instrumente. Der einzige moderne Touch, neben dem EFB des Sim, ist ein verbautes GTN750 für die Navigation.

Eine Freude für das Auge

Und wo wir schon beim Cockpit sind. Optisch weiß das Modelling und die Texturing der BO-105 am und um den Arbeitsplatz des Piloten sehr zu gefallen. Das Cockpit ist sauber ausgeführt, ohne sichtbare Kanten oder Ecken, und vermittelt durch die Texturen einen schönen, haptischen Eindruck. Diese sind dabei gut aufgelöst und alle Labels gut zu lesen. Auch einige kleine Spielereien lassen sich im Cockpit finden. So wird natürlich auch die Kabine hinter dem Piloten an die geflogene Variante angepasst und es finden sich einige kleine Spielerein, wie die Luftöffnungen in den Cockpit-Seitenfenstern, welche sich aufschieben lassen. Dies hat dabei auch hörbare Auswirkungen, was die Immersion noch einmal verstärkt.

Auch von außen gefällt das Modelling des Helikopter. Dabei sind natürlich auch die typischen Features des Walkaround im MSFS 2024 vorhanden mit den Covern für die Rotorblätter und verschiedenen Öffnungen des Hubschrauber. Diese ist jedoch nicht bis ins kleinste Detail ausgeführt, so dass nicht wie bei anderen Flugggeräten jede letzte Klappe am Modell öffnen lässt.

Auch der markante Rotorkopf der BO-105, welcher eine der größten technischen Innovationen des Modell darstellt, ist sauber modelliert. Allgemein setzt sich auch beim Außenmodell der Eindruck fort, welcher bereits im Cockpit herrschte. Das Modelling wirkt stimmig und ergibt einen haptischen Eindruck von dem Helikopter.

Dieser Eindruck bleibt auch bestehen, sobald sich der Hauptrotor dreht. Dieser macht auch im Flug einen super Eindruck inkusive sichtbaren Flexing der Rotorblätter je nach Last auf dem Helikopter.

Druck auf den Ohren

Natürlich hat dabei der Flugzustand nicht nur optische Auswirkungen, sondern auch akustische. Gerade unter Last ist deutlich hörbar, dass der Helikopter hart am Arbeiten ist, um den Eingaben des Piloten zu folgen. Die Sounds wurden dabei von Echo19 am Vorbild einer echten BO-105 erstellt. Das Ergebnis ist dabei eine Soundumgebung, welche einen guten bis sehr guten Eindruck macht, jedoch noch Raum zur Verbesserung bietet.

Das Soundset bietet dabei einen schönen Klang beim Hochlaufen der Gasturbinen vom Stillstand bis zum Flugzustand. Und auch der Klang des Hauptrotor ist insgesamt gut und passt sich wie bereits beschrieben auch den verschiedene Lastzuständen an. Jedoch scheint dies nicht für die Triebwerke selbst zu gelten, auch wenn diese laut den Instrumenten ihre Drehzahl der abgefragten Last anpassen. Insgesamt fehlt für meinen Geschmack auch etwas Dampf in den tieferen Frequenzen des Soundset. Zwar ist hier natürlich kein Teppichklopfer alá Huey zu erwarten, aber insgesamt fehlt so das letzte bisschen zu einem wirklich perfekten Klang.

Etwas befremdlich ist dabei auch ein Teil des Soundset im Flug bei höheren Geschwindigkeiten. Hier ist ein Rasseln und Klimpern zu hören, was fast klingt als würde man durch einen Sandsturm oder Graupel fliegen würde.

Alles steht Kopf

Am Ende das wichtigste ist bei einem Helikopter-Addon aber wohl sicherlich die Frage, wie sich das Gerät den fliegt. Und hier weiß die Stratoware BO-105 auf ganzer Linie zu überzeugen. Dabei handelt es sich natürlich um einen klassischen Helikopter, bei dem noch Handarbeit angesagt ist. So verfügt der Helikopter über keinerlei Stabilisierungssystem oder gar einen Autopiloten, wie er in modernen Hubschraubern zu finden ist. Einzig ein Force Trim ist vorhanden, welcher beim Fliegen hilft, wenn man einen Stick mit Zentrierung im heimischen Simulator nutzt.

Wo die BO-105 dann aber Begeisterung auslöst ist das Fluggefühl. Denn hier ist das klassische chaotische Feedback eines Hubschraubers exzellent fühlbar. Jede kleine Änderung am Kollektiv-Hebel muss mit Gefühl am Anti-Torque Pedal ausgeglichen werden. Was dann sich natürlich auch am Stick in der Zyklik bemerkbar macht und ausgeglichen werden muss.

Dies macht den Hubschrauber durchaus anspruchsvoll zu fliegen und man muss aufpassen, dass man nicht die Kontrolle verliert. Aber wenn man das ganze einmal gemeistert hat, macht es unglaublich Spaß die BO-105 zu fliegen und zum Beispiel auch bei beengten Verhältnissen sauber zu landen.

Das Flugmodell der Stratoware BO-105 ermöglicht es dabei auch bei extremen Manövern die Kontrolle zu behalten. So ist das reelle Vorbild der einzige zivile Helikopter, welcher eine Freigabe für den Kunstflug besitzt. Und dies kann man auch mit dem virtuellen Pendant nachfliegen, welches auch in Loopings und Fassrollen kontrollierbar bleibt.

Alles unter Kontrolle

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Systemtiefe der virtuellen BO-105. Naturgemäß lässt sich in einem klassischen Helikopter wie diesem hiervon nicht unendlich viel finden, da keine komplexe Avionik oder Autopilot vorhanden sind. Aber das was vorhanden ist funktioniert solide. So muss man durchaus darauf achten, die Treibstoffpumpen des Hubschrauber korrekt zu setzen, damit einem nicht unerwartet der Sprit ausgeht und man unfreiwillig die Fähigkeit zur Autorotations-Landung testen muss. Welche nebenbei gesagt auch exzellent funktioniert.

Lediglich an der Anzeige der Instrumente fehlt an ein paar Stellen noch der letzte Feinschliff. So sind zum Beispiel die Instrumenten-Nadeln der Turbinen-Drehzahl noch etwas zittrig in meiner Version gewesen. Hier besteht jedoch durchaus die Möglichkeit, dass dies bis zur finalen Release-Version noch behoben wird, denn der Entwickler arbeitet bis dahin weiter an dem Helikopter.

Fazit

Was bleibt also unterm Strich stehen, noch mehreren Tagen Test der Stratoware/Miltech BO-105?

Für mich haben wir hier auf jeden Fall einen empfehlenswerten Helikopter, welcher dem Status des Vorbild gerecht wird. Hier fehlt an manchen Stellen noch der letzte Feinschliff (was durchaus auch daran liegen kann, dass ich eine Pre-Release Variante getestet habe). Aber in dem Kernaspekt eines Helikopter-Addon, dem Flugmodell und den vorhanden Systemen, weiß das Addon sehr gut zu gefallen. Ich hatte während meines Tests jede Menge Spaß damit die Eigenschaften des Hubschraubers zu erfliegen und am Ende erfolgreich zu kontrollieren. Da dies dabei durchaus anspruchsvoll ist, sollte ihr aber schon etwas Erfahrung mitbringen, um den Helikopter erfolgreich zu meistern.

Solltet ihr nun Lust auf das Stratoware/MIltech-Addon bekommen haben, könnt ihr diesen ab dem nächsten Freitag, den 22. Mai, ab 20 Uhr deutscher Zeit käuflich erwerben. Dies könnt ihr dann entweder auf einer dedizierten Shopseite oder auch den anderen Webshops für Flugsimulation tun. Preislich werden dabei 33$ abgerufen, ein Preis in Euro steht derzeit noch nicht fest.

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5 Kommentare
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Silvio
Silvio
1 Monat zuvor

Ich weiß zwar nicht wie das in deiner Version ausschaut, aber ich denke mir das Zittern der Nadeln ist bestimmt gewollt. Denn ich kann mir gut vorstellen das durch die Vibrationen, die der Helikopter erzeugt die Nadeln der analogen Instrumente nie richtig still stehen.

stby04
stby04
1 Monat zuvor
Antwort auf  Silvio

Instrumentenfehler ist eh so ein großer Themenblock, der im Sim sehr stiefmütterlich behandelt wird. Wir sind es gewohnt, dass alle Instrumente immer genau den richtigen Wert anzeigen und zwar sofort, in echt wird das meistens schon dadurch verhindert dass das Messen eines Wertes gar nicht so einfach ist. Dazu kommt dann noch Reibung in der Mechanik, und mit zunehmenden Alter wird das alles nicht besser.

Michael S.
Michael S.
1 Monat zuvor
Antwort auf  stby04

Oh ja – das fängt schon mit dem Variometer an, das in der Wirklichkeit mit einer ziemlich trägen Zeitverzögerung reagiert… Besonders schlimm ist es auch bei alten VOR Empfängern.

Die Gyros jaulen oftmals auch schon ziemlich, kein Lager hält ewig. Selbst bei A2A und Blacksquare, die da schon deutlich besser sind als andere, ist da noch Luft nach oben, auch wenn es schon besser geworden ist. Zumindest die Zeitverzögerung wenn das Vakuumsystem anspringt ist da ganz gut sichtbar.

Das gilt auch für die Avionik. Die großen Flieger wie Fenix kriegen das ja auch hin, da dauert es dann eine Weile bis alles läuft – und das ist bei der kleinen GA tatsächlich genauso, viele Geräte brauchen eine Weile bis sie gebootet haben.

Da ist definitiv noch Luft nach oben.

Piloto
Piloto
1 Monat zuvor

Das mit der Zittrigen Nadel is doch super cool und entspricht der Realität.
Nicht alles muss immer exakt so sein wie in den moderneren Maschinen.
Ich betrachte die Review mal mit leichter Skepsis, denn viel Vorerfahrung mit Hubschraubern nicht vorhanden scheint.
Trotzdem Danke für den kleinen Eindruck

Lars Sommer
Lars Sommer
1 Monat zuvor

Ich freue mich sehr auf die „Super 5“, es lässt sich bereits erahnen wieviel Liebe zum Detail darin stecken. Und sicher werden noch einige Updates folgen, z.B. Strobes links und rechts, möglicherweise noch ein anderer „Uhrenkasten“. Tolle Arbeit !

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