
Aufmerksame X-Plane Piloten dürften schon länger von der Entwicklung seitens RetroWings wissen. Über den üblichen Forumsthread im X-Plane.org Forum hinaus, gibt es auf dem offiziellen Discord seit nunmehr einem viertel Jahr immer wieder zahlreiche Bilder und kleiner Infos zu dem Flugzeug.
Zuletzt sogar ein erstes Video mit einem Test der Triebwerkssounds:
In einem Artikel bei den Kollegen von ThresholdX gab es nun ein paar zusätzliche Details:
Die Entwicklung des SA227 Metroliner von RetroWings für X-Plane 12 nähert sich der entscheidenden Phase. Nach Angaben des Entwicklers befinden sich die Arbeiten an den wichtigsten Systemen, dem 3D-Artwork und dem Sound in den letzten Entwicklungsstadien. Der Beginn der Beta-Tests ist derzeit innerhalb der kommenden zwei bis drei Wochen vorgesehen.
Ziel von RetroWings ist eine möglichst realitätsnahe Umsetzung des SA227 Metroliner. Dabei beschränkt sich die Simulation nicht auf das Flugmodell und die grundlegenden Aircraft Systems. Nach Angaben des Entwicklers wird praktisch das gesamte Flugzeug einschließlich seiner Systemzusammenhänge simuliert.

Garrett TPE331 Powerplant
Ein zentraler Bestandteil der Simulation sind die beiden Garrett TPE331 Turboprop-Triebwerke. Für deren Umsetzung nutzt RetroWings die in X-Plane verfügbare Custom Turbine Engine Simulation Library „libturbine“.
Damit sollen sämtliche wesentlichen Operational Characteristics des TPE331 abgebildet werden. Dazu gehören unter anderem:
- Start Sequence und Engine Start Behaviour
- Torque Behaviour
- Fuel Scheduling
- Temperature Dynamics
- Propeller Governing
- Negative Torque Sensing
Auch die verschiedenen Failure Modes des TPE331 werden simuliert. Damit soll das Verhalten der Powerplants nicht nur unter normalen Betriebsbedingungen, sondern auch bei auftretenden Fehlfunktionen möglichst realistisch nachvollziehbar sein.






Electrical und Hydraulic Systems
Die Electrical und Hydraulic Systems wurden von Amy Parent entwickelt und sollen laut RetroWings eine hohe Operational Fidelity erreichen.
Dabei werden sämtliche relevanten Systemkomponenten und deren Abhängigkeiten berücksichtigt. Dazu gehören:
- Electrical Buses
- Electrical Loads
- Generator Behaviour
- Hydraulic Circuits
- System Dependencies
- Circuit Breakers
Besonderes Augenmerk liegt auf den Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Systemen. Ein Failure soll daher nicht isoliert auftreten, sondern sich entsprechend der realen Systemarchitektur auf abhängige Komponenten auswirken.
Auch die Circuit Breakers sollen sich entsprechend ihrer realen Funktion verhalten. Ein Verlust von Hydraulic Pressure kann dementsprechend weitere Auswirkungen auf nachgeschaltete Systeme haben.
Zusätzlich verfügt der „Retro Metro“ über Custom Avionics sowie weitere Immersion Features. Genauere Informationen zu diesen Funktionen möchte RetroWings zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.
Fuel, Bleed Air und Pressurisation
Auch die Fuel-, Bleed-Air- und Pressurisation-Systeme wurden detailliert umgesetzt. Verantwortlich für diese Bereiche ist Ilias, der ebenfalls an der Entwicklung der Avionics beteiligt ist.
Das Fuel System berücksichtigt unter anderem:
- Fuel Flow
- Crossfeed Operations
- Tank Management
- Fuel-related Failures
- Realistisches Fuel Loss Behaviour
Darüber hinaus wurde ein Custom Bleed Air System entwickelt. Dieses ist mit den Pressurisation- und Anti-Ice-Systemen verknüpft und berücksichtigt deren gegenseitige Abhängigkeiten.
Auch hier verfolgt RetroWings einen systemübergreifenden Ansatz. Fehler sollen nicht lediglich durch eine einzelne Warnung dargestellt werden, sondern sich entsprechend der tatsächlichen Systemabhängigkeiten weiter auswirken. Ein Failure kann somit an einer Stelle auftreten und sich durch entsprechende Symptome in einem anderen System bemerkbar machen.





State Saving System
Eine weitere Besonderheit des SA227 ist das von RetroWings entwickelte State Saving System.
Dieses dient unter anderem als Absicherung gegen den Verlust des aktuellen Aircraft State nach einem Simulator-Crash. Der aktuelle Zustand des Flugzeugs wird während des Fluges automatisch gespeichert und kann anschließend vollständig wiederhergestellt werden.
Gespeichert werden dabei unter anderem:
- Aircraft System States
- Switch Positions
- Aircraft Configuration
- Fuel Loads
- Wear States
Der gespeicherte Zustand soll zu jedem Zeitpunkt des Fluges wieder geladen werden können. Damit geht die Funktion deutlich über das klassische Speichern einer Flugzeugkonfiguration hinaus und berücksichtigt auch den aktuellen Zustand der einzelnen Aircraft Systems.
Beta-Test und Release
RetroWings befindet sich damit nach eigenen Angaben in der letzten Entwicklungsphase. Die Arbeiten an Art, Sound und den verschiedenen Aircraft Systems werden derzeit abgeschlossen.
Der Start der Beta-Tests ist innerhalb der kommenden zwei bis drei Wochen geplant. Nach Abschluss der Beta-Phase soll anschließend die allgemeine Veröffentlichung des SA227 Metroliner für X-Plane 12 erfolgen.
Mit der umfangreichen Simulation der Powerplants, Electrical und Hydraulic Systems, Fuel, Bleed Air, Pressurisation sowie der zahlreichen System Dependencies verfolgt RetroWings einen ausgesprochen tiefgreifenden Ansatz. Insbesondere die konsequente Simulation von Failure Propagation und der systemübergreifenden Auswirkungen dürfte für Nutzer interessant sein, die Wert auf eine möglichst realistische Nachbildung des SA227 Metroliner legen.




Ihr wollt noch mehr vom Metroliner sehen? Retrowings haben knapp 300 Bilder der zwei Versionen des Flugzeugs in ihrer Dropbox bereit gestellt. Viel Spaß beim ansehen!

Ah der Metroliner aka die Angströhre… Schon ein selten hässlicher Flieger 😅
Vlt. für den ein oder anderen interessant zu wissen, dass der 3D Entwickler vorher mit Torquesim gearbeitet hat und u.a. die C525 gemacht hat. 🙂